Bundesliga : Stürmer im Wasserglas

Der FC Bayern mahnt seinen Spieler Philipp Lahm ab. Ein Angriff auf die Meinungsfreiheit ist das aber nicht.

Helmut Schümann

W as nun ist passiert beim FC Bayern München? Der angestellte Spieler Philipp Lahm hat ein Interview gegeben. Insofern hat er den Passus seines Arbeitsvertrages, der ihm Öffentlichkeitsarbeit vorschreibt erfüllt. Das Interview war sehr offen, sehr ehrlich, er hat darin kritische Worte über seinen Arbeitgeber gefunden. Insofern hat er sein Recht auf Meinungsfreiheit wahrgenommen. Und er hat gegen die Passage seines Arbeitsvertrages verstoßen, der ihm vorschreibt, Interna Interna sein zu lassen und vereinsschädigende Äußerungen zu unterlassen. Eine Passage im Übrigen, die so ziemlich jeder Arbeitnehmer in diesem Lande unterschrieben hat. Die 25 000 Euro Strafe, die Lahm vom FC Bayern dafür auferlegt bekommen hat, die heißt andernorts Abmahnung.

Nun darf man natürlich diskutieren, ob Lahms Einlassungen zur jüngsten Personalpolitik des Rekordmeisters wirklich destruktiv sind für den Verein oder nicht doch sehr konstruktiv. Wie das so ist bei Unternehmensberatern, und als solchen darf man Philipp Lahm in dieser Angelegenheit betrachten, die machen sich schnell unbeliebt. Weil sie mitunter Wahrheiten aussprechen, oft unbequem sind, in Wunden wühlen. Und wer auf diese Weise seinen Kopf erhebt, muss wissen um die Konsequenzen, der angestellte Fußballspieler Lahm wird es wissen. Weswegen er die Strafe äußerst gelassen zur Kenntnis nahm. Die Aufregung um Interview und Bestrafung, die den Deutschen Journalistenverband derart auf die Zinne trieb, dass er den FC Bayern München als eine Art Gulag brandmarkte, ist also ein wenig hektisch und reflexartig.

Zumal niemand zu Schaden gekommen ist. Der Verein nicht, der in Gänze Druck abgelassen hat, großen Druck, unter den er sich selbst mit einer zumindest unglücklichen Personalpolitik gebracht hat. Philipp Lahm, das unterscheidet ihn von anderen Unternehmensberatern, geht auch nicht gebeutelt aus dem Affärchen hervor. Denn er hat sich noch nicht einmal unbeliebt gemacht. Nicht bei den Fans, nicht bei seinen Mitspielern, aufs Gesamte betrachtet auch nicht beim Verein, dazu ist er, der Nationalspieler, zu gut und zu populär und seine Äußerungen waren nur zu wahr.

Ist es eigentlich abenteuerlich abwegig, über eine Inszenierung der ganzen Angelegenheit zu spekulieren? Könnte doch sein, dass der Manager Uli Hoeneß, der Vorstandsvorsitzende Rummenigge und der Spieler Lahm zusammengehockt haben, um zu diskutieren, wie sie sich aus ihrer festgefahrenen sportlichen Situation befreien können. Und herausgekommen ist ein befreiendes Interview, zu dem anschließend die Form gewahrt werden muss.

Dagegen spricht allerdings, dass die langjährige Seele, das langjährige Herz des Vereins, Manager Uli Hoeneß, bei einer solchen Inszenierung schlecht ausgesehen hätte. Aber spricht das wirklich gegen eine Inszenierung? Zum Wohle des FC Bayern München hat Hoeneß schon so manche Blessur in Kauf genommen. Vielleicht, vielleicht war der Sturm im Wasserglas durchdacht und gewollt. Ein Angriff auf die Meinungsfreiheit war er nicht.

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