Meinung : Bundestagsbeschlüsse sind umzusetzen

„Der Traum von Tarabya / Warum der Plan für eine Künstlerkolonie am Bosporus nicht scheitern darf. Ein Appell an das Auswärtige Amt“ von Joachim Sartorius

vom 13. September

Es ist ein sehr begrüßenswertes Vorhaben, im Botschaftspark in Tarabya bei Istanbul eine Künstlerkolonie zu gründen. Völlig unverständlich ist die Haltung des Auswärtigen Amtes, den Bundestagsbeschluss nicht umzusetzen.

Das Argument, die türkische Seite wolle nur eine diplomatische Nutzung, ist nach meinen Erfahrungen völlig aus der Luft gegriffen. Ich war in den 70er Jahren sieben Jahre lang Lehrer an der Deutschen Schule Istanbul, dem Alman Lisesi. Regelmäßig veranstalteten wir im Park zu Tarabya die Bundesjugendspiele. Das war ein Fest der Schule, zu dem auch viele türkische Eltern kamen, denn etwa 85 Prozent unserer Schüler waren Türken. Im Park liegen deutsche Soldaten aus dem 1. Weltkrieg begraben. Selbstverständlich sang im Park am Volkstrauertag der deutsche Chor und die deutschen Pfarrer beider Konfessionen hielten eine Andacht. Bis heute nutzen beide deutschen Kirchen den Park für verschiedene Veranstaltungen. Das alles fand und findet selbstverständlich mit Zustimmung des jeweiligen deutschen Botschafters statt.

Seit über 140 Jahren existiert die Deutsche Schule in Istanbul, das Goethe-Institut ist seit langem vertreten, eine deutsche Universität ist im Aufbau und es sind viele Deutsche in Kultur, Wissenschaft und Lehre in der Türkei tätig. Berlin und Istanbul sind Partnerstädte. Das alles schreit geradezu danach, eine Künstlerkolonie in Tarabya zu gründen. Der Ort ist dafür prädestiniert.

Auch wenn es Herrn Westerwelle nicht passen sollte, ein Vorhaben umzusetzen, dass unter Herrn Steinmeier beschlossen wurde, er muss nachdrücklich dazu aufgefordert werden. Beschlüsse des Bundestages sind über die Legislaturperiode hinaus bindend. Alles andere widerspricht jeglichem Demokratieverständnis.

Klaus Hertel, Berlin-Kladow

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben