Bundeswehr : Für Deutschland gefallen

Wenn Soldaten sterben: Was die Trauersprache über das Verhältnis zur Armee sagt.

Malte Lehming

Die Bundeswehr ist eine Parlamentsarmee. Die Mehrheit der Abgeordneten und die Regierung befinden über den Einsatz der Soldaten. Leichten Herzens geschieht das nie. Ob am Horn von Afrika, auf dem Balkan, vor den Küsten Libanons oder in Afghanistan: Über Sinn und Auftrag der Mission wird stets debattiert. Niemand nimmt Regierung und Parlament die Entscheidung ab, weder UN noch Nato. Wer deutsche Soldaten entsendet, tut dies im Namen Deutschlands.

Im Krieg wird getötet und gestorben. Fällt also das Sterben eines Soldaten im Dienst unter die Kategorie „Berufsrisiko“, vergleichbar mit Polizei und Feuerwehr? Man kann es so nüchtern sehen. Deshalb starben deutsche Soldaten bislang auch nie für Frieden, Freiheit und Demokratie, oder gar für Volk und Vaterland; sie kamen „einsatzbedingt ums Leben“, manchmal auch „durch Fremdeinwirkung“.

Der Chef des Bundeswehrverbands, Bernhard Gertz, empört sich über solch „gestelzte Wendungen“. Er fordert eine klarere Sprache. Mit Blick auf einen jüngst in Afghanistan getöteten 29-jährigen Soldaten sagt er, dieser sei „für die Bundesrepublik Deutschland gefallen“. Das klingt zunächst, zumal vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte, nach reichlich viel Pathos, Heroisierung und Überhöhung. Soldatische Totenkulte wurden den Deutschen ja gründlich ausgetrieben. Wir sind „postheroisch“ geworden.

Diese Haltung aber war nur so lange berechtigt, wie das Sterben von Bundeswehrsoldaten ausgeblendet, ja verdrängt werden konnte. Ihr Image war das von Aufbauhelfern. Das hat sich spätestens mit dem Afghanistaneinsatz geändert. Dort herrscht Krieg, der Gegner wird stärker statt schwächer. Und Soldaten riskieren nicht nur ihr Leben, sondern sind es zu geben bereit. Wird diese Bereitschaft durch Sold und Zuspruch ausreichend gewürdigt?

Viele Soldaten empfinden es nicht so. Aus ihrer Mitte kommt die Bitte nach einem Ehrenmal für im Ausland getötete Kameraden sowie nach einer Gedenksprache, die nicht verschämt-verdruckst nach Autopsiebefund klingt. Wer grundsätzlich gegen Auslandseinsätze der Bundeswehr ist, wird dieses Ansinnen ablehnen. Wer aber Einsätze bejaht, steht auch in der Pflicht, eine Würdigungs- und Danksagungsform für die Truppe zu finden. Der Respekt für die Opfer, die jeder Soldat bringt, sollte Ausdruck finden in besonderen Riten und besonderer Rhetorik.

Daraus folgt weder eine Heroisierung des Soldatentums noch eine Militarisierung der Gesellschaft. Im Gegenteil: Wer auf ein Quentchen Pathos zurückgreift, bringt sich selbst in größere Erklärungsnot. Wer bei einem Begräbnis behauptet, der Soldat sei „für die Bundesrepublik Deutschland gefallen“, für Frieden, Freiheit und Demokratie, der sollte dies belegen können. Er muss glaubwürdig eine sicherheitspolitische Begründungskette entwickeln, an deren Ende das Interesse des Landes steht. Sich in aseptische Trauerbekundungen zu flüchten, mag ziviler erscheinen, ist aber vor allem eins: bequemer.

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