Meinung : Bush beim Wort nehmen Globaler Aidsfonds: Die USA spenden, wenn die EU mitmacht

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Von Alexander S. Kekulé

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Lange stand der USPräsident als großer Verhinderer beim Kampf gegen Aids da, weil er für den globalen Hilfsfonds nur Peanuts übrig hatte – statt der von UN-Generalsekretär Kofi Annan erbetenen Milliarde wollte Bush nur 150 Millionen Dollar jährlich zahlen. Doch im Januar schlug der Präsident auf einmal ein gigantisches, 15 Milliarden Dollar schweres Aidsprogramm vor. Fünf Jahre lang soll jeweils eine Milliarde an den globalen Aidsfonds fließen, der Rest geht in bilaterale Hilfsprojekte.

Im südlichen Afrika ist bis zu einem Drittel der arbeitsfähigen Bevölkerung mit dem Aidsvirus infiziert, die sozialen Strukturen stehen vor dem Zusammenbruch. In einigen Ländern sterben jedes Jahr fast doppelt so viele Lehrer an Aids wie neue ausgebildet werden. Bereits eine Lebensverlängerung um wenige Jahre könnte dazu beitragen, den Zusammenbruch dieser Staaten abzuwenden. Pilotstudien ergaben, dass die neue Hochdosis-Therapie, die das Leben Infizierter um zehn, vielleicht 20 oder mehr Jahre verlängert, auch in Entwicklungsländern erfolgreich sein kann. Voraussetzung sind allerdings billige Medikamente und erhebliche Investitionen in die medizinische Infrastruktur. Nach Appellen von Wissenschaftlern initiierte Kofi Annan im Juni 2001 deshalb den „Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria“. Zusätzlich erklärten sich die großen Pharmafirmen bereit, ihre Aids-Medikamente zu Billigpreisen an Entwicklungsländer abzugeben. Durch den neuen Kurs der Bush-Regierung ist nun auch die Finanzierung des Fonds in greifbare Nähe gerückt.

Doch das Projekt droht nun ausgerechnet an Deutschland zu scheitern. Bush will nur dann einzahlen, wenn sich die EU ebenfalls mit einer Milliarde jährlich beteiligt, was die meisten Mitgliedstaaten befürworten. Am Sonntag verhinderten jedoch Deutschland und die Niederlande auf dem EU-Gipfeltreffen in Thessaloniki den Beschluss dazu – wegen der angespannten Haushaltslage. Wenn es dabei bleibt, ist die größte humanitäre Hilfsaktion der Geschichte am Ende, bevor sie begonnen hat. Dabei geht es nicht nur um Afrika: Ohne drastische Gegenmaßnahmen wird sich allein in Äthiopien, Nigeria, Indien, Russland und China, wo rund 40 Prozent der Erdbevölkerung leben, die Zahl der Infizierten bis 2010 auf 75 Millionen Menschen verdreifachen. Über Osteuropa, wo die Neuinfektionsrate derzeit mit am schnellsten wächst, wird die Aidsepidemie die Wohlstandszentren Mitteleuropas erreichen.

Das deutsche Nein ist besonders gefährlich, weil es den USA ein willkommener Anlass sein könnte, ihr Aidsprogramm ohne die UN durchzuziehen. Bushs konservativen Unterstützern ist es ohnehin ein Dorn im Auge, dass der Fonds die Benutzung von Kondomen propagiert, statt Monogamie zu predigen. Auch gibt es Vorschläge, nur solche Länder zu unterstützen, die beim Kampf gegen den Terror mitmachen und die Medikamente von US-Pharmafirmen kaufen. Dass Bushs Aids-Engagement vornehmlich nationalen Interessen dient, macht es für die Betroffenen nicht weniger hilfreich. Europa muss in die hingereichte Hand einschlagen, bevor sie wieder zurückgezogen wird.

Der Autor ist Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie in Halle. Im Mai 2001 schlug er den globalen Aidsfonds in der „Zeit“ vor. Foto: Jaqueline Peyer

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