Meinung : Bush und Merkel – wird das was? Von Christoph von Marschall

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Wird die Türkeidebatte für Angela Merkel, was für Gerhard Schröder der Irak war: ein Thema, das auf Sympathie bei vielen Bürgern stößt, aber das transatlantische Verhältnis belastet? Der Kanzler macht Wahlkampf mit Bushs falschem Krieg, die CDU liebäugelt mit dem populistischen Einsatz der Türkeifrage – und liegt damit auf AntiBush-Kurs. Alle US-Regierungen haben den türkischen Wunsch nach EU-Beitritt vehement unterstützt. Skeptische Europäer müssen sich handfeste Vorwürfe anhören, sie verpassten die historische Chance, ein muslimisches Land auf das westliche Modell von Demokratie und Rechtsstaat festzulegen. Eine Türkei in der EU könne zum Vorbild für die arabische Welt werden und den Vorwurf vom Kampf der Kulturen widerlegen. Das sei eine strategische Hilfe, um Muslime für den Kampf gegen den Terror zu gewinnen.

In Amerikas Öffentlichkeit sind die deutschen Wahlen und der mutmaßliche „Regime change“ in Berlin kein großes Thema. Aber wenn, dann werden außenpolitische Erwartungen daran geknüpft – bis zur Frage, ob eine Kanzlerin Merkel Truppen in den Irak schickt, sich von Frankreich löst und Russland härter anfässt, nicht nur wegen Tschetschenien. Die USA sind es gewohnt, dass ein neuer Präsident mit dem alten Kurs bricht, in der Innen- und in der Weltpolitik.

In den oberen Etagen des Außenministeriums dagegen wird realistisch gedacht. Niemand erwartet Truppen für Irak, man ist sich bewusst, wie schwierig der Fall Türkei für die EU ist, egal ob über Schröders Linie der Integration oder Merkels privilegierte Partnerschaft. Nur eines hofft man inständig: dass Deutschland sich seiner engen Partnerschaft mit Amerika erinnert. Offene Kritik sei willkommen, nur bitte keine weiteren Versuche, aktiv internationale Bündnisse gegen die USA zu schmieden.

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