Meinung : Bushs gerechter Krieg: Die Achse des Guten

Harald Maass

Wenn der mächtigste Mann der Welt auf Reisen geht, dann ist auch die Flugroute ein Politikum. Bei seiner längsten Auslandsreise seit dem 11. September wählte US-Präsident Bush Japan als erstes Ziel, bevor er - mit Zwischenstopp in Seoul - seinen Staatsbesuch in China antritt. Die Symbolik ist deutlich: Japan ist unser wichtigster Verbündeter in der Region. Doch in Wirklichkeit sieht man im Weißen Haus China als die neue Macht in Asien.

Zum Thema Dokumentation: Kampf gegen Terror
Fotos: Osama Bin Laden, Krieg in Afghanistan
Seit das Reich der Mitte vor zwei Jahrzehnten das Ende der Planwirtschaft einläutete, boomt die Wirtschaft in China. Im Perlflussdelta und entlang der Küste produzieren Fabriklandschaften Güter für den Weltmarkt. In Shanghai wird nächstes Jahr der Transrapid vom Flughafen in die Hochhausmetropole schweben. Die US-Investmentbank Lehman Brothers rechnet damit, dass China bis 2030 Japan als zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Erde ablösen wird.

Gleichzeitig wächst auch Chinas politische und militärische Rolle. Als Atommacht und ständiges Mitglied des UN-Sicherheitsrates ist das Land bereits heute ein politisches Schwergewicht. Nach den Terroranschlägen vom 11. September telefonierte US-Präsident Bush häufiger mit Chinas Staatschef Jiang Zemin als mit Japans Koizumi. Für Bush war es wichtig, Pekings stilles Einverständnis für den Krieg in Afghanistan zu bekommen.

Noch ist Tokio für die USA und auch Europa der wichtigste Partner in Asien. Über seine Militärstützpunkte in Japan sichert sich das Pentagon militärischen Einfluss in Ostasien. Doch die Ereignisse nach dem 11. September haben die alten Bündnisse in Frage gestellt. Der neue Feind der USA heißt Terrorismus. Auf der von Washington ausgerufenen "Achse des Bösen" ist für Peking derzeit kein Platz, im Gegenteil: Die USA brauchen die Unterstützung aus China.

George W. Bush, der China vor seinem Amtsantritt als "strategischen Konkurrenten" einstufte, zog Jiang Zemin als Partner mit in die Anti-Terror-Allianz. Bush will den Druck auf das Regime in Nordkorea erhöhen und kann dabei die Unterstützung Pekings gut gebrauchen. Umgekehrt will auch Peking die Beziehungen zu den USA verbessern.

Mit dem Beitritt zur Welthandelsorganisation WTO steht China dieses Jahr vor einem gesellschaftlichen Umbruch. Millionen Angestellte in den Staatsfabriken werden ihre Arbeit verlieren. Pekings KP-Führer wünschen sich Ruhe in der Außenpolitik, um die Exporte und das Wirtschaftswachstum nicht zu gefährden. Noch redet niemand in Washington von einem Verbündeten Peking. China und die USA werden mit ihren Interessen in Zukunft weiter aufeinander prallen. Die aufstrebende Großmacht konkurriert mit der Supermacht um den Zugang zu Märkten, um weltweite Energieressourcen und Handelsvorteile. Mit Besorgnis beobachtet Pekings Führung, wie die USA seit dem 11. September mit einer neuen Politik der Stärke ihre politische und militärische Vorherrschaft ausbauen.

Öffentlich hält Peking jedoch still. Bushs Besuch soll in jedem Fall ein Erfolg werden. Um das Klima vor der Staatsvisite zu verbessern, entließ Peking in den vergangenen Wochen politische Gefangene. Aus den USA ist schon seit längerem keine Kritik mehr an Chinas Menschenrechtsverletzungen zu hören. Die Zeichen stehen auf Entspannung. Als die Washington Post vor kurzem über Abhörwanzen berichtete, die der chinesische Geheimdienst im Flugzeug von Jiang Zemin entdeckte, blieb es in Peking und Washington merkwürdig still. Vor einem Jahr noch wäre so etwas Anlass für eine zwischenstaatliche Krise gewesen.

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