Meinung : Bushs zweite Europa-Reise: Kein Koffer in Berlin

cvm

Zum zweiten Mal kommt der amerikanische Präsident Bush nach Europa. Im Juni schaffte er in fünf Tagen Spanien, Schweden (EU-Präsidentschaft), Brüssel (Nato), Polen und Slowenien (Gipfel mit Putin). Obwohl er sich diesmal sechs Tage Zeit nimmt, macht er, wie beim ersten Besuch, einen Bogen um Paris und Berlin, dem partner in leadership. Es reicht nur für Großbritannien und Italien. Das lässt sich ganz unschuldig mit dem zweitägigen G-8-Gipfel in Genua erklären, und dort trifft Bush ja auch Präsident Chirac und Kanzler Schröder. Dennoch enthält die Reiseroute ihre kleine symbolische Botschaft: Gunstbeweise auf amerikanisch. Wer dem Republikaner parteipolitisch nahesteht oder sich als besonders treuer Verbündeter erwiesen hat, dem erweist auch George W. Bush seine Reverenz. Im Juni ehrte er Polen, das neue Nato-Mitglied. Diesmal beginnt die Reise in Großbritannien, London gilt seit langem als der unproblematischste Alliierte. Was die politische Seelenverwandtschaft betrifft, stand damals der Spanier Aznar ganz oben in der Gunst - zum Zeitpunkt der Reiseplanung der einzige prominente konservative Regierungschef in Europa. Nun ist Silvio Berlusconi hinzugekommen, den die europäischen Partner auf Distanz halten. Bush fechten deren gute Gründe nicht an, er lässt auf zwei Tage Genua zwei weitere in Rom folgen. Vier Tage Italien: welche Ehre. Aber Schröders sind sogar drei Wochen dort - trotz Berlusconi. Freilich privat, auf Urlaub.

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