BVG-Streik : Vernunft in Häppchen

Die Gewerkschaft des öffentlichen Dienstes in Berlin zerlegt sich gerade in ihre Einzelteilen. Verdi scheint nicht mehr gesprächsfähig zu sein. Hier streikt der gesunde Menschenverstand.

Ulrich Zawatka-Gerlach

Es ist ja schön und gut, dass Busse, Metro und Straßenbahnen ab Montag wieder fahren. Verdi hat wenigstens verstanden, dass ein unbefristeter Streik bei den Verkehrsbetrieben nicht durchzuhalten ist. Andererseits wurden die Gespräche mit dem kommunalen Arbeitgeber ergebnislos abgebrochen und in der BVG-Verwaltung und im technischen Bereich wird der Arbeitskampf fortgesetzt.

Wenn es dabei bleibt, werden ab Mitte nächster Woche arbeitswillige BVG-Fahrer in fahrunfähigen Bussen und U-Bahnen sitzen. Alle drei Tage will die Tarifkommission entscheiden, wie es weitergeht. Ein Streik in Häppchen. Eine Zermürbungstaktik, die schon bald auch die geduldigsten, mobilsten und gewerkschaftsfreundlichsten Berliner gegen Verdi aufbringen wird. Da sind Hasardeure am Werk, die den Kampf mehrerer Linien innerhalb der Gewerkschaft für ihre Sonderinteressen missbrauchen. Ohne Rücksicht auf Verluste in den eigenen Reihen.

So wird eine der größten Gewerkschaften Europas zum Spartenbetrieb. Unter dem Dach von Verdi versuchen jene Berufsgruppen, die noch einigermaßen gut organisiert sind, das Bestmögliche für sich herauszuholen. Rette sich, wer kann, heißt die Devise. Für das hohe Gut der Gewerkschaften, die Solidarität, ist da nicht mehr viel Platz. Umgekehrt wird Verdi auch keine Solidarität mehr von außen verlangen können. Mit diesem chaotischen Arbeitskampf ist es der Gewerkschaft sogar gelungen, alle Parteien gegen sich aufzubringen. Zumal ein Angebot der Arbeitgeber vorliegt, das vielleicht noch nicht einigungsfähig, aber in jedem Fall verhandlungsfähig ist. Aber Verdi scheint nicht mehr gesprächsfähig zu sein. Hier streikt der gesunde Menschenverstand.

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