Cannes : G 20-Treffen produziert Akten fürs Archiv

Das Signal von Cannes ist: Auf europäische Solidarität darf man nicht viel geben, stattdessen wächst die Macht des Internationalen Währungsfonds.

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In Cannes ging jetzt der sechste Gipfel des noch jungen Formats zu Ende, und es war eine wenig überzeugende Vorstellung.
In Cannes ging jetzt der sechste Gipfel des noch jungen Formats zu Ende, und es war eine wenig überzeugende Vorstellung.Foto: dapd

Vor drei Jahren waren die G 20 angetreten, um aus der Finanzkrise nach der Lehman-Pleite die richtigen Lehren zu ziehen. Die Staats- und Regierungschefs der größten Industrienationen und Schwellenländer setzten sich zum überhaupt ersten Mal an einen Tisch. Es war eine Zeit beherzter Beschlüsse, auch in Berlin. Binnen einer Woche wurde in Deutschland ein staatlicher Bankenhilfsfonds Gesetz, der über das damals unvorstellbare Volumen von 480 Milliarden Euro verfügte, und die Bundesregierung garantierte ohne jede Rechtsgrundlage alle Sparguthaben der Deutschen.

Die Angst jener Tage ist geblieben (oder zurückgekehrt), verschwunden aber ist die Kraft. In Cannes ging jetzt der sechste Gipfel des noch jungen Formats zu Ende, und es war eine wenig überzeugende Vorstellung. Wenn die Euro-Länder ihre Probleme nicht in den Griff bekämen, werde man in Cannes die Trümmer aufräumen müssen, hatte es vorab aus der französischen Delegation, also vonseiten der Gastgeber, geheißen. Stattdessen bleiben neue Trümmer zurück.

Proteste gegen den G-20-Gipfel in Cannes
Mehrere tausend Menschen haben am Dienstag im französischen Nizza gegen das bevorstehende G20-Treffen demonstriert. Sie fand in Nizza statt, weil der rund 30 Kilometer entfernte Badeort Cannes während des G20-Gipfels in ein streng abgeschottetes Sperrgebiet verwandelt wird.Weitere Bilder anzeigen
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02.11.2011 16:10Mehrere tausend Menschen haben am Dienstag im französischen Nizza gegen das bevorstehende G20-Treffen demonstriert. Sie fand in...

Die Einheit der Euro-Zone steht erstmals offiziell infrage, seit Angela Merkel und Nicolas Sarkozy, offenbar überrumpelt von Giorgos Papandreous Referendumsplan, die Insolvenz und den Austritt Griechenlands in Aussicht gestellt haben. Wer sollte daran zweifeln, dass es Italien am Ende genauso ergehen könnte? Das Signal von Cannes ist: Auf europäische Solidarität darf man nicht viel geben, stattdessen wächst die Macht des Internationalen Währungsfonds.

Eigentlich standen Griechenland, Italien und Co. nicht auf der Tagesordnung von Cannes. Umso schwerer wiegt, dass auch die planmäßig abgehakten Beschlüsse nicht weit tragen. Eine Liste von weltweit 29 systemrelevanten Banken gibt es nun, die ihr Eigenkapital weiter aufstocken sollen – dabei ist doch eine Lehre der Finanzkrise, dass die Gefahr unerwartet und plötzlich kommt. Wer hätte denn damals Lehman oder HRE auf dem Zettel gehabt? Das Kommuniqué von Cannes strotzt vor Ankündigungen, die allenfalls zur Archivierung taugen. Und die Finanztransaktionssteuer, die ein Symbol für etwas mehr Gerechtigkeit wäre, mehr nicht, kommt natürlich wieder nicht. Die G 20, die für 90 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung stehen, vertun die Chance, die Globalisierung gemeinsam zu gestalten.

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