Bund der Vertriebenen : Gutmenschen von Rechts

Der Bund der Vertriebenen gilt als spießig und ewiggestrig. Sein Präsident Bernd Fabritius will dem entgegnen: Mit Engagement für aktuelle Flüchtlinge und einem neuen Gedenktag. Mehr in unserem heute erschienenen Zeitungsteil "Causa".

von und Arno Makowsky
Bernd Fabritius vom Bund der Vertriebenen.
Sucht den Schulterschluss mit aktuellen Flüchtlingen: Bernd Fabritius vom Bund der Vertriebenen.Foto: dpa

Herr Fabritius, am 20. Juni 2015 begeht Deutschlands erstmals einen bundesweiten Gedenktag für Flucht und Vertreibung. Warum ausgerechnet jetzt?

Der Bund der Vertriebenen (BdV) hat einen solchen Tag schon lange gefordert, um das Schicksal der deutschen Heimatvertriebenen in der kollektiven Erinnerung zu verankern. Wir haben in Deutschland eine verwunderliche Blockade, das Gedenken an eigene Opfer zuzulassen. Es gibt ein verbreitetes Missverständnis, dass dies die Kriegsschuld relativiert. Das ist nicht so. Wenn man das Erlebte erinnert, hilft das, eine Wiederholung zu vermeiden. Die Heimatvertriebenen wissen, wie es ist, als Flüchtling in einer Gesellschaft anzukommen. Auch sie wurden von vielen als fremd und als Belastung wahrgenommen. Dabei kamen sie aus demselben Kulturkreis. Für viele Flüchtlinge heute ist es schwerer, weil sie aus anderen Kulturen kommen.

Den Gedenktag sollen nicht nur die deutschen Vertriebenen begehen, sondern auch aktuelle Flüchtlinge aus aller Welt. Passt das wirklich zusammen?

Ich finde die Verbindung sehr gut. Das Anliegen der Vertriebenen geht nicht unter. Im Gegenteil: Wenn ihr Leid verbunden wird mit dem aller anderen Opfer von Flucht und Vertreibung, wird klar, dass auch ihre Vertreibung Unrecht war.

Woher kommt das Missverständnis, dass die Deutschen ihrer Opfer nicht gedenken dürften?

Es ist Ausfluss eines falschen Kollektivschulddenkens. Mehrere Bundespräsidenten haben zu Recht betont, dass sowohl Schuld als auch Unschuld immer individuell ist.

Warum Bernd Fabritius glaubt, dass das "Gutmenschentum" nicht politisch links beheimatet ist und wofür er sich bei Erika Steinbach bedankt, lesen Sie in Tagesspiegel "Causa" vom 14. Juni 2015 - auch im E-Paper.

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