Causa-Präsentation : Stadt mit Strahlkraft

Wie entsteht neues Denken – und welche Rolle spielt dabei Berlin? Darüber diskutiert ein prominent besetztes Podium beim Causa-Event.

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Das Podium anlässlich der Causa-Präsentation war prominent besetzt: Tagesspiegel-Herausgeber und Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo, Berlins Kulturstaatssekretär Tim Renner, Susann Hoffmann, Gründerin des Online-Frauenmagazins Edition F und Ulrich Wilhelm, Intendant des Bayrischen Rundfunks diskutierten über Berlin als Meinungsmagnet (von links). Moderiert wurde die Runde von Tagesspiegel-Redakteurin Anna Sauerbrey (ganz links) Foto: Kai-Uwe Heinrich
Das Podium anlässlich der Causa-Präsentation war prominent besetzt: Tagesspiegel-Herausgeber und Zeit-Chefredakteur Giovanni di...Foto: Kai-Uwe Heinrich

Arm, aber sexy – und vor allem meinungsstark? Dass Berlin mehr ist als eine schön glänzende Blase, dürfte die Stadt in den vergangenen Jahren bewiesen haben: Unternehmen, Medien, Verbände, Start-ups – sie alle sind nach Berlin gekommen, um vorne dabei zu sein und mitzumischen. Wie weit die Strahlkraft Berlins wirklich reicht, wie Positionen entstehen und sich verbreiten, haben Vertreter von Medien, aus Politik und Wirtschaft am Mittwochabend im Tagesspiegel-Redaktionsgebäude vor vollen Stuhlreihen diskutiert. Anlass der Podiumsrunde war die Präsentation von dem neuen Zeitungsteil Causa, der sich genau mit diesen Themen wöchentlich auseinandersetzt.

Meinungen machen und verstehen - Podiumsdiskussion beim Tagesspiegel
Meinung zieht an: Viele Gäste kamen zur Präsentation von Causa, dem neuen Sonderteil des Tagesspiegels, ins Redaktionsgebäude am Anhalter Bahnhof. Foto: Kai-Uwe HeinrichWeitere Bilder anzeigen
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30.04.2015 15:37Meinung zieht an: Viele Gäste kamen zur Präsentation von Causa, dem neuen Sonderteil des Tagesspiegels, ins Redaktionsgebäude am...

„Berlin hat einen unschätzbaren Vorteil: Hier kommunizieren die Menschen tatsächlich untereinander“, sagte Zeit-Chefredakteur und Tagesspiegel-Herausgeber Giovanni di Lorenzo. Nicht zuletzt die digitale Revolution mit ihren zahlreichen Jobs habe bewirkt, dass man an der Stadt nicht mehr vorbeikomme. Ulrich Wilhelm, ehemaliger Regierungssprecher und aktuell Intendant des Bayrischen Rundfunks, dämpfte die Euphorie ein bisschen. „Was die Berliner von bestimmten Dingen halten, beeinflusst das Denken in anderen deutschen Städten nicht in dem Maße, wie man es sich hier vorstellt.“ Es sei selten, dass Meinungen übernommen würden – der Großteil der Menschen lasse sie gelten, aber stehe nicht zwangsläufig dahinter.

Die Netzwelt muss mitgedacht werden

Allerdings, so räumte Wilhelm ein: Allein aufgrund der zahlreichen Medien und Journalisten sei Berlin ein Ort, an dem man leichter viele Menschen erreichen könne. Doch die Bedeutung von Journalisten in Sachen Meinungsmache habe sich stark verändert. „Die Debatten, die in der Netzwelt geprägt werden, müssen mitgedacht werden“, sagte der BR-Intendant.

Zustimmung dafür gab es natürlich aus der Berliner Digitalwirtschaft. Die Meinungshoheit der Journalisten sei Vergangenheit, sagte Susanna Hoffmann auf dem Podium. Vor rund einem Jahr hat sie Edition F, ein Online-Magazin für berufstätige Frauen, mitgegründet. „Es geht nicht mehr darum, eine Position zu finden, auf die sich alle einigen können“, sagte Hoffmann. Der Austausch und die Kommunikation im Netz, etwa über Online-Kommentare und Beiträge von Nutzern, seien heute viel wichtiger für die Debattenkultur.

Kultur macht Meinung

Das Dauerrauschen auf allen Kanälen und die Aufregung um viele Themen verhindere allerdings zunehmend, dass sich Menschen überhaupt noch an Debatten beteiligen wollten, warnte Ulrich Wilhelm. „Themen werden riesig behandelt und dann fallen gelassen, das ist ein Riesenproblem.“ Zu Debatten gehörten eben auch Schlussfolgerungen.

Journalisten, die nur Meinungen aus dem Internet abfischten, um beim Leser punkten zu könnten – für Giovanni di Lorenzo ist das eine grausame Vorstellung und „eine der größten Gefahren für die Glaubwürdigkeit des Journalismus“. Eine wachsende Zahl von Menschen würde sich von Medien, die auf schnelle Effekte aus sind, abwenden. „Dann sind wir wirkungslos wie nie zuvor.“

Nicht nur im Netz und in der Tageszeitung, auch in den Theaterhäusern und Museen werde Meinung gemacht, ergänzte Berlins Kulturstaatssekretär Tim Renner. „Im besten Fall berührt Kultur, erweitert den Horizont.“ Und das sei schließlich der Beginn guter Meinungsbildung.

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