Der "Cavaliere" auf Instagram : Ein <3 für Silvio Berlusconi

Silvio Berlusconi hat den Bilderdienst Instagram entdeckt und postet dort jetzt unter anderem Fotos von Pudel "Dudù". Unpolitisch ist daran gar nichts.

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Schön genug für ein Foto? Auf Instagram postet Silvio Berlusconi derzeit viele Bilder.
Schön genug für ein Foto? Auf Instagram postet Silvio Berlusconi derzeit viele Bilder.Foto: dpa

Silvio Berlusconi folgt 1461 Personen auf Instagram. Unter anderem mir. Ich bin mir nicht ganz sicher, was ihn dazu bewogen hat. Vielleicht interessiert er sich für deutsche Journalisten. Vielleicht war es ihm symphatisch, dass ich mich auf meinem Profil als glühende Italien-Liebhaberin oute. Möglicherweise entdeckt er auch gerade sein Faible für Frauen mit Kurzhaarfrisur. Man weiß es nicht genau. (S)ein Herz hat er mir allerdings noch nicht geschenkt; nicht einmal digital. Irgendwie gemein. Da hätte ich mir wirklich mehr vom Bunga-Bunga-Kavalier erwartet.

Der Cavaliere postete über 60 Bilder in nur 24 Stunden

Unsinn. Berlusconi hat Instagram natürlich nicht installiert, um sich als Polit-Senior die Zeit zu vertreiben und Herzchen unter putzigen Tierbildchen zu verteilen. Berlusconi, italienischer Medienmogul, tut keinen digitalen Schritt, ohne kühle Berechnung vorab. Als sein Account „silvioberlusconi2015“ vor einigen Wochen quasi aus dem Nichts im Netz erschien, rätselte zunächst halb Italien, ob es sich um einen Fake handeln könnte. Tat es nicht. Es war der Cavaliere höchstpersönlich, und zu Beginn postete er fast im Minutentakt: Allein in den ersten 24 Stunden stellte Berlusconi über 60 Beiträge auf seine Instagram-Seite. Momentan finden sich dort insgesamt 96 Fotos.

Des Pudels Kern: Berlusconi mischt politische Botschaften jetzt mit Hundefotos.
Des Pudels Kern: Berlusconi mischt politische Botschaften jetzt mit Hundefotos.Foto: Silvio Berlusconi/Instagram

Berlusconi, das vermitteln sowohl die Bilder als auch die damit gekoppelten Hashtags, hat nichts von seinem Ego eingebüßt. Sozialdienst im Altenheim, Ruby-Prozess, Pass-Entzug auf Zeit – all das hat das Mailänder Schlitzohr ausgesessen oder zumindest irgendwie überstanden. Auf Instagram gibt er sich daher gut gelaunt wie nie. Berlusconi lächelt in die Kamera, Berlusconi (78) lächelt gemeinsam mit seiner Verlobten Francesca Pascale (29) in die Kamera, Berlusconi knuddelt Pudel „Dudù“. Und lächelt. In die Kamera. Italien und die ganze Welt – naja, zumindest die Welt der Instagram-Nutzer – darf sehen: Berlusconi geht’s gut. Der Cavaliere ist bei bester Laune und, einmal abgesehen von der Tatsache, dass er mittlerweile eine Brille zum Fernsehen braucht, auch bei bester Gesundheit.

Die Nutzer lieben seinen Account: "Du bist eine Legende"

Dahinter steckt hochgradig politisches Kalkül. Berlusconi zählte sich nie zum parlamentarischen, alten Eisen. Er täte nichts lieber, als in Italien wieder oben mitzumischen. Um das zu vermitteln, hat er sich nun eine zeitgemäße Plattform gesucht; italienische Medien spekulieren allerdings, seine Verlobte Pascale sei nicht ganz unschuldig an seiner Instagram-Offensive. Doch egal, wer letztlich die Filter über die Fotos legt: Zuletzt sah man Berlusconi auf Instagram seltener mit Pudel denn mit Mikro und Aktenbergen. Im ganzen Land war er vor den italienischen Regionalwahlen unterwegs, um Stimmung für seine Partei „Forza Italia“ zu machen; besonders in Ligurien engagierte er sich im Wahlkampf. Bildoptik und Hashtags zeigen Berlusconi als einsamen Streiter für ein gerechtes Italien: #ForzaItalia, #regionali2015, #sempreconsilvio. Und die User? Lieben ihn dafür. Viele seiner Posts bekommen hunderte, tausende Likes und zig Kommentare. „Silvio, du bist unsterblich“, steht dort; „Du bist der Beste“, „Du bist eine Legende“, „Berlusconi forever“.

Wenn Berlusconi eines verstanden hat, dann, dass man die Menschen politisch dort abholen muss, wo sie sich aufhalten. Wenn die Italiener seine politischen Inhalte lieber konsumieren, wenn er sie ihnen in einer Wundertüte gemixt mit Hundefotos verkauft, hat er damit kein Problem. Man kann über Berlusconi denken wie man will – ein Feind des Fortschritts ist er nicht. Bei so viel digitalem Sportsgeist bekam Kanzlerin Angela Merkel wohl Muffensausen. Bekanntlich ist sie tapfere Twitter-Verweigererin, zu Instagram hat sie sich jetzt doch hinreißen lassen. Vielleicht, weil sie sich ein wenig unter Zugzwang fühlte. Und auch wenn Merkel keinen Pudel postet: Was der Cavaliere kann, kann sie doch schon lang. Oder? Zumindest, bis Berlusconi Periscope für sich entdeckt.

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