Erfolg von Kinofortsetzungen : Die Rückkehr der Superhelden

Kampfmaschinen, Dinosaurier, Zauberlehrlinge: Im Kino kehren sie immer wieder zurück – diese Woche der „Terminator“. Es ist der fünfte Teil. Hollywood entwickelt Filmstoffe wie Marken. Bekannte Figuren sind wichtiger als neue Geschichten.

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Klicken Sie auf die Grafik, um die Infos zu allen Filmen zu sehen.Grafik: Carmen Klaucke

Es war die Maschine, die man mögen musste. Die, die man zuvor genau so intensiv gehasst hat. Denn erst sollte der Terminator den guten Jungen umbringen, der die Welt retten würde. Dann sollte er ihn vor Maschinen retten, die noch schlimmer waren als er selbst. Ja, ganz schön verworren, was Regisseur James Cameron 1984 in die Welt setzte: einen Film über die letzte Schlacht zwischen Mensch und Maschine. Das Imperium der Apparate will seinen Widersacher John Connor dadurch ausschalten, dass es dessen Mutter tötet – bevor die ihn geboren hat. Was „Terminator“ zu einer großen, gewalttätigen Meditation über Zeitreisen macht.

James Camerons Agent in Hollywood fand den Stoff unpassend. Cameron verkaufte die Rechte für einen Dollar entnervt an eine Produzentin, die die lächerliche Summe von 6,4 Millionen Dollar für ein allerhöchstens billiges Trashmovie zusammenkratzen konnte. Arnold Schwarzenegger mokierte sich über den „Scheißfilm“, in dem er als die titelgebende Killermaschine weniger als hundert Worte sagte und kaum eine Miene verzog.

Das Maschinenwesen als Kultfigur

Es war Camerons erster Coup. Aus jedem Dollar, der in das Projekt floss, machte er elf Dollar Gewinn. Heute ist er der erfolgreichste Regisseur der Filmgeschichte (allein „Avatar“ spielte weltweit 2,8 Milliarden US-Dollar ein, gefolgt von „Titanic“ mit 2,1 Milliarden). Und das Maschinenwesen des Terminators, das Cameron im Traum erschienen war, gilt als Kultfigur. Die Anziehung der Rolle ist so groß, dass ihr Schwarzenegger sogar als 67-jähriger Exgouverneur von Kalifornien noch einmal erlag und die Rolle des Kampfroboters für den fünften Teil der „Terminator“-Saga übernommen hat. „Genisys“ kommt diese Woche in die Kinos.

Unter die zehn erfolgreichsten Kinomythen reiht sich der „Terminator“ allerdings bislang nicht ein. 1,4 Milliarden Dollar haben die vier Filme eingespielt. Andere Blockbuster sind da deutlich effizienter. Zumal durch gestiegene Ticketpreise der Umsatz von Sequelproduktionen in den vergangenen Jahren explodiert ist und Filme sehr viel mehr Geld einspielen als je zuvor. Das zeigen aktuell auch die astronomischen Einnahmen von „Jurassic World“, die der Marke in der dritten Woche einen Gesamtumsatz von 3,2 Milliarden Dollar bescheren.

Die Bestenliste führt „Harry Potter“ an. Beinahe jeder der acht Filme kratzt an der Milliardenumsatzmarke. Als Adaption eines Fantasybestsellers erfüllt die Filmreihe das Erfolgsrezept für Kinohits schlechthin. Denn Hollywoodstudios entwickeln keine eigenen Stoffe mehr, sondern greifen auf das zurück, was sich auf anderen Feldern bereits bewährt hat. Auch „Herr der Ringe“ und „Der Hobbit“ folgen dem Muster, wobei erst Fortschritte der digitalen Animationstechnik die als unverfilmbar geltenden Romane J.R.R. Tolkiens für das breite Publikum interessant werden ließen.

Die Markenkampagne ist wichtiger als die Story

Im Kino sind Figuren wichtiger geworden als Geschichten. Die Erzählungen sind in Wiederholungen gefangene Variationen dessen, was man bereits kennt. So stützen sich einige der erfolgreichsten Fortsetzungen auf den fertig ausformulierten Figurenkreis der Comicliteratur. Die „Avengers“-Produktionen schöpfen aus dem Superheldenkosmos des Marvel-Verlags (Captain America, Iron Man, Thor). Ihnen werden mal einzelne Filme gewidmet, mal treten sie als Team auf. Das illustriert, wie stark Hollywood seine Ware mittlerweile vom Marketing her denkt und selbst Trilogien als zu unergiebig für langfristige Markenkampagnen erachtet.

Schon George Lucas realisierte sein „Star Wars“-Märchen durch den Verkauf von Lichtschwertern, Kostümen, T-Shirts und allem, was mit der Marke in Verbindung gebracht wurde. Er gilt nicht nur deshalb als Pionier des synthetischen Kinoepos’. Auch seine Methode hat sich durchgesetzt. Sein mythologischer Eklektizismus, der aus dem Sagenschatz der Weltkulturen Charaktere und Handlungsstränge so zusammensetzt, dass sie der Geschichte universellen Charakter verleihen. Das ist auch bei „Fluch der Karibik“ wiederzufinden, wo populäre Seefahrermythen bis zum Exzess ineinander verschränkt werden. Auf den Malstrom, des toten Manns Kiste, auf Seeungeheuer und Geisterschiffe gibt es kein Copyright. Sie kehren immer wieder.

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