Im Gegenwind : Gefahr - und Genuss

Tabakwerbung ist kaum noch erlaubt. Die Hersteller müssen gruselige Abschreckungsbilder auf Zigarettenschachteln drucken. Wie vermarktet man ein gebrandmarktes Produkt?

Arno Makowsky, Christoph von Marschall
Franz Peter Marx (rechts) und Alexander Manderfeld im Hotel Maritim in Berlin.
Franz Peter Marx (rechts) und Alexander Manderfeld im Hotel Maritim in Berlin.Foto: DAVIDS/Sven Darmer

Herr Marx, Herr Manderfeld, als wir aufwuchsen, waren Schokoladezigaretten verbreitet. Rauchen galt als normal, Kinder übten es schon mal spielerisch. Das hat sich alles sehr geändert. Wie reagieren Sie darauf?

Zigaretten galten, wenn sie nicht aus Schokolade waren, auch damals nicht als unbedenklich für Kinder. Wir haben uns immer an das Abgabeverbot an Jugendliche unter 18 Jahren gehalten. Aber es stimmt, die Lage hat sich drastisch verändert. Werbung war früher erlaubt, heute nur noch sehr eingeschränkt.
Wie kommuniziert man Tabakwaren als ein Genussmittel, wenn alle darüber reden, wie schädlich Rauchen sei?
Wir vertreten nicht die Zigarettenindustrie, sondern überwiegend mittelständische Hersteller von Feinschnitt, Pfeifen-, Kau und Schnupftabak. Pfeifentabak hat nach wie vor eine relativ hohe Akzeptanz in der Bevölkerung als Genussmittel. Das gilt weitgehend auch für Feinschnitt, denn der Konsument stellt durch Drehen sein individuelles Produkt her.
Auf den Packungen stehen Warnungen vor den Gesundheitsschäden, zum Teil sieht man fürchterliche Bilder.
Noch sind es Worthinweise. Die Bildhinweise kommen erst im Mai 2016. Das bringt uns erhebliche Probleme. Es gibt noch keine verbindlichen Vorschriften. Wir brauchen aber 12 bis 18 Monate Vorlauf in der Produktion, um die Verpackung und das Design zu ändern.
Das Image des Rauchens hat sich dramatisch zum Negativen verändert. Was setzen Sie dem entgegen?

Die Gesundheitsgefahren gibt es, da beißt die Maus keinen Faden ab. Das Produkt ist aber legal, und Rauchen ist für viele mit Genuss verbunden. Das kann man kommunizieren. Das Tabakforum kürt, zum Beispiel, den Pfeifenraucher des Jahres. Das sind bekannte Persönlichkeiten, die die Botschaft vermitteln: Man kann Tabak genießen, wenn man verantwortlich damit umgeht.

Franz Peter Marx (65) ist seit 1987 Hauptgeschäftsführer, Alexander Manderfeld (46) seit 1997 Pressesprecher des Verbandes der Rauchtabakindustrie (VdR). Im VdR haben sich Hersteller und Importeure von Feinschnitt, Pfeifentabak, Kau- und Schnupftabak, Zigarren und Zigarillos zusammengeschlossen. Dabei handele es sich, wie der VdR in feiner Abgrenzung zu internationalen Zigarettenkonzernen betont, überwiegend um mittelständische und zumeist familiengeführte Unternehmen. Der Sitz des 1920 gegründeten Verbandes ist Bonn.

Das komplette Interview finden Sie in der Sonderausgabe von "Causa" zum Thema Rauchen vom 31. Mai 2015. "Causa" ist eine neue Publikation des Tagesspiegels, die jeden Sonntag erscheint. Die aktuelle Ausgabe können Sie auch im E-Paper lesen.