Im Gegenwind : Primark: Raus aus der Schmuddelecke

„Stinkeunternehmen“, „Wegwerf-Mode“: Wolfgang Krogmann ist als deutscher Primark-Chef harten Vorwürfen ausgesetzt. Wie und was kommuniziert man, wenn man unter medialem Dauerbeschuss steht?

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Eine Szene von der Primark-Eröffnung am 03.07.2014 in Berlin.
Eine Szene von der Primark-Eröffnung am 03.07.2014 in Berlin.Foto: Britta Pedersen/dpa

Wolfgang Krogmann ist Director General von „Primark“ Germany & Austria. Er begann seine Karriere in der Textilindustrie bei der Metro-Tochter „Kaufhof“. Anfang der Neunziger Jahre wurde Krogmann Geschäftsführer von „H&M“ Deutschland, später war er Chef der „Adler“-Modemärkte und arbeitete zeitweilig als freier Berater. 2010 warb ihn Primark an. Als Krogmann damals zum ersten Mal eine Filiale des Unternehmens in Bremen besuchte, sah er unzählige Menschen mit vollbepackten Tüten über den Parkplatz laufen. „Ich dachte erst, bei Matratzen Concord sei Schlussverkauf“, sagt er. Dann erkannte er das „Primark“-Logo auf den Einkaufstaschen – und unterschrieb kurze Zeit später seinen Vertrag.

Herr Krogmann, Primark fertigt an Spitzentagen 1,4 Millionen Kunden europaweit ab. Trotzdem steht Ihr Unternehmen in der öffentlichen Wahrnehmung oft in der „Schmuddelecke“. Mit welcher Kommunikationsstrategie wollen Sie dem entgegnen?

Information ist das A und O. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass die Menschen und Medien uns zuhören und uns erklären lassen, wie wir wirklich arbeiten. Wir wollen die veröffentlichte Meinung ändern und die deutsche Öffentlichkeit erreichen. Unsere Kunden sind ein Teil davon. Und natürlich wollen wir, dass sie von unserer Kleidung begeistert sind.

Normalerweise hagelt es ständig mediale Kritik. Vor kurzem wurde Primark aber von „Greenpeace“ als „Detox Trensetter“ ausgezeichnet. Wie gut tut es, etwas Positives über seine Firma zu hören und zu lesen?

Wir freuen uns natürlich sehr, dass wir von einer so bedeutenden Umweltschutzorganisation wie „Greenpeace“ als „Detox Trendsetter“ ausgezeichnet worden sind. Das ist aber nicht das einzige positive Feedback, das wir bekommen. Unsere Kunden lieben uns. Schauen Sie nur einmal auf unseren Blog #Primania.

Wolfgang Krogmann, der Deutschlandchef von Primark.
Wolfgang Krogmann, der Deutschlandchef von Primark.Foto: Imago

Mediale Kritik ist noch nett ausgedrückt. Die „Huffington Post“ titelte „Die Schattenseite des Stinkeunternehmens“, das ZDF zeigte die Doku „Mode zum Wegwerfen – das Primark-Prinzip“. Woher kommt diese Wut vieler Journalisten auf Primark?

Wir wissen es nicht. Was wiederum die Journalisten vielleicht nicht wissen, ist, dass wir im Bereich des ethisch verantwortlichen Handels in vorderster Reihe stehen. Wir sind Mitglied der Ethical Trading Initiative, einem Zusammenschluss von Unternehmen, NGOs und Gewerkschaften. Seit drei Jahren ist Primark dort als „Leader“ gelistet. In diese Top-Kategorie haben es bisher nur wenige Mitglieder geschafft. Unsere Kleidung mag günstiger sein, aber wir nutzen die gleichen Fabriken und Zulieferer wie andere Marken. Wir sind einfach effizienter, bei der Logistik und internen Prozessen, und wir geben sehr wenig Geld für Anzeigen aus.

2011 prangerte das Medienmagazin „Zapp“ Primark wegen „Schmieren-PR“ an. Bei einer Filialeröffnung waren Geschenkkarten im Wert von 50 Euro an Journalisten verteilt worden. Würden Sie das heute wieder tun?

Das ist ein perfektes Beispiel für unterschiedliche Kulturen: Wir sind ja ein irisches Unternehmen. Journalisten können dieses Angebot annehmen – oder ablehnen. Es ist eine Geste, die so viel bedeutet wie „Danke, dass Sie gekommen sind“. Ähnlich wie die Goodie-Bags, die bei vielen Events verteilt werden.

Straßenszene: Ein Vater erklärte seinen beiden Kindern kürzlich vor einer Ihrer Filialen, man solle dort nicht einkaufen, da Primark ein „böses Unternehmen“ sei. Was sagen Sie dazu?

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Der komplette Text findet sich in "Causa" vom 24. Mai 2015 - einer neuen Publikation des Tagesspiegels, die jeden Sonntag erscheint. Die aktuelle Ausgabe können Sie auch im E-Paper lesen.

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