Im Gegenwind : "Wir wurden nicht gefragt"

Kommenden Mittwoch bekommt die Bundeswehr den neuen Schützenpanzer "Puma". Rheinmetall-Pressesprecher Oliver Hoffmann über die Schwierigkeit, über Waffen zu kommunizieren

Arno Makowsky, Christoph von Marschall
Ein Schützenpanzer "Puma".
Ein Schützenpanzer "Puma".Foto: dpa

Herr Hoffmann, der neue Schützenpanzer „Puma" wird am Mittwoch an die Bundeswehr übergeben: ein Grund für Stolz?
Der „Puma“ ist zurzeit das größte Beschaffungsvorhaben für das Heer. Der erfolgreiche Abschluss ist tatsächlich ein Tag der Freude für die wehrtechnische Industrie und für die Bundeswehr: Der „Puma“ löst den über 40 Jahre alten „Marder“ ab.
Auf Ihrer Webseite steht gar kein Hinweis auf den Termin. Warum nicht?
Bei so einem Anlass stehen nicht wir im Vordergrund, sondern unser Kunde, die Bundeswehr. Sie hat die Führung bei der Öffentlichkeitsarbeit. Die Medien sind natürlich eingeladen, auch die internationalen, und haben in großer Zahl zugesagt.
Wie kommunizieren Sie das Ereignis in der Öffentlichkeit?
Wir informieren sie über die Medien, natürlich auch über den ‚Tagesspiegel'. Generell halten wir uns an die Devise, dass wir erst mal unser Produkt fertig stellen und nicht schon vorher großen Wirbel machen.

Oliver Hoffmann ist Pressesprecher von Rheinmetall im Bereich Wehrtechnik.
Oliver Hoffmann ist Pressesprecher von Rheinmetall im Bereich Wehrtechnik.Foto: Rheinmetall

Im internationalen Vergleich wirkt das bescheiden. In den USA und einigen europäischen Ländern würde man Werbeclips sehen, zum Beispiel Soldaten im Auslandseinsatz, den sie schützenden Transportpanzer und den Slogan „Damit ihre Mütter ruhig schlafen können.“ Warum nicht hier?
Wir haben eine andere Kultur im Umgang mit militärischen Themen. Die prägt auch uns als deutsches Unternehmen.
Folgt daraus als generelle Strategie, dass Rheinmetall als Rüstungslieferant erst gar nicht zum Thema werden möchte?
Das ist ein falscher Eindruck. Wir betreiben eine aktive Öffentlichkeitsarbeit, aus Überzeugung und weil wir ein börsennotiertes Unternehmen im MDAX sind. In unseren zwei Sparten, Automobilzulieferung und Wehrtechnik, pflegen wir den Kontakt zu unseren Kunden, zur Politik, den Medien und der Öffentlichkeit, um unsere Anliegen zu vermitteln.
Imagekampagnen haben wir nicht bemerkt. Die Soldaten haben Angehörige, in der Summe sind das mehr als eine Million Menschen, die an der Sicherheit im Einsatz interessiert sind. Gilt da schlicht: Panzer haben keinen guten Ruf, die kann man nicht positiv darstellen?
Das kann man schon, es geht ja um den bestmöglichen Schutz unserer Soldatinnen und Soldaten. Dafür müssen aber zwei Bedingungen erfüllt sein: der Wille zur Information und die Offenheit für das Thema. In Deutschland hat der Eine oder Andere eine ablehnende Haltung zu Rüstungsthemen. Das ist eben auch Ausdruck unserer politischen Kultur.

Schränkt das ihre Möglichkeit ein, Gehör zu finden? Wenn es kein etabliertes öffentliches Bild von ihren Produkten gibt, schlagen Negativmeldungen wie in den letzten Tagen über Probleme mit dem Bremssystem des „Puma“ stärker durch.
Da spüren wir eine gewisse Voreingenommenheit. Wir hätten gerne Stellung genommen, sind aber von nicht einem Journalisten gefragt worden. Es gab also keine Chance, mit unserer Darstellung zu überzeugen.
Das wäre ein Verstoß gegen die journalistische Sorgfaltspflicht. Kommt das öfter vor?
Wir erleben es immer wieder. Etwa bei der Behauptung, dass die Kosten für den „Puma“ aus dem Ruder gelaufen seien. Das Projekt wurde mit einer Art Festpreis bestellt, freilich mit einer Preisgleitklausel, falls sich die Rahmenbedingungen ändern. Es gab, zum Beispiel, eine Mehrwertsteuererhöhung und dazu mehrere zusätzliche Kundenwünsche. Die haben dazu geführt, dass der Preis am Ende höher ist. Wenn man diese Faktoren herausrechnet, kostet der „Puma“ genauso viel wie bei der Bestellung vor elf Jahren.
Rheinmetall wirbt auf der Webseite mit bestimmten Qualitätsmerkmalen des „Puma“. Wie ist die Resonanz?
Am wichtigsten ist für uns die Resonanz der Bundeswehr, und die ist sehr gut. Der „Puma“ ist das modernste Fahrzeug in dieser Kategorie weltweit. Er bietet der Besatzung deutlich mehr Schutz und Sicherheit. Er hat einen wirksamen Minenschutz, er ist gegen Beschuss von der Seite wie von oben und auch gegen Sprengfallen bestens ausgerüstet. Und außerdem für Einsätze in weltweiten Klimazonen ausgelegt. Er kann auch programmierbare Munition verschießen, die vor oder über dem Ziel detoniert.
Bei ausländischen Kunden haben Sie nicht den gewohnten Erfolg. Die Niederländer, bisher Ihr Kunde, haben sich für die amerikanische Konkurrenz entschieden.
Der „Puma“ war bisher gar nicht verfügbar. Im militärischen Bereich wird selten von der Stange gekauft. Diese Produkte müssen auf die speziellen Bedürfnisse der Streitkraft zugeschnitten sein. Der „Puma“ wurde auch schon in anderen Ländern mit großem Interesse begutachtet. Jetzt muss er sich erstmal beweisen. Danach rechnen wir uns große Chancen im Ausland aus.
Warum heißen Panzer bei der Bundeswehr eigentlich immer wie Raubtiere? Leopard, Marder, Puma…
Es ist eine lange militärische Tradition, dass die Streitkräfte ihren Fahrzeugen Tiernamen geben. Der Name ist auch ein Vermarktungskriterium und deshalb wichtig. Der „Puma“ sollte ursprünglich „Igel“ heißen. Aber da hat man im Ausland „Eagle“ verstanden, also Adler. Dabei war doch das Stacheltier gemeint. Dann hat die Bundeswehr „Puma“ genommen, damit es vor allem auch den Charakter des Fahrzeugs besser zum Ausdruck bringt.

Das Interview erschien am 21. Juni in "Causa", einer neuen Publikation des Tagesspiegels. Sie können "Causa" auch als E-Paper lesen.

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