Klimakonferenz COP21 in Paris : Was fordern Klima-Experten von Paris?

Experten erwarten von der Klimakonferenz COP21 in Paris wegweisende Vereinbarungen. Auf Tagesspiegel Causa läuft unsere große Klimadebatte.

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Eiffelturm im Morgennebel.
Eiffelturm im Morgennebel.Foto: REUTERS/Philippe Wojazer

In Paris müsse eine gerechte Finanzierung und Entschädigung für Länder des globalen Südens vereinbart werden, fordert Eva Bulling-Schröter von der Linksfraktion. "Es geht nicht, dass Klimagelder mit Entwicklungshilfe verrechnet werden". Diese Forderung fand viel Zuspruch von anderen Autoren auf dem neuen Debattenportal des Tagesspiegels, Causa.

Parallel zur Klimakonferenz COP21 in Paris läuft auf Tagesspiegel Causa eine Debatte zum Thema Klimaschutz: Elf Autoren haben bereits Debattenbeiträge veröffentlicht, weitere folgen in den nächsten Tagen. Im Laufe der Woche wird auf Tagesspiegel Causa eine Landkarte der Argumente entstehen, die die Positionierung der Autoren zu den zentralen Argumenten in dieser Debatte zeigt.

Der Aspekt der sozialen Gerechtigkeit ist vielen Debattenteilnehmern wichtig, wie etwa Christoph Bals, politischer Geschäftsführer von Germanwatch. Er fordert Solidaritätspakete für die Länder, die am meisten unter der Erderwärmung leiden. Auch Sabine Minninger und Sophia Wirsching von Brot für die Welt weisen darauf hin, dass der Klimawandel vor allem die Ärmsten der Ärmsten trifft. Klimawandel ist in vielen Regionen der Erde auch Fluchtursache, wie etwa im von Desertifikation betroffenen Mali. Auch verlängerte und unvorhergesehene Dürreperioden in ganzen Regionen tragen dazu bei, dass viele Menschen ihre Heimat verlassen müssen.

Ein Komplettumbau der globalen Energieversorgung bis 2050

Die Hauptfragen der Debatte sind: Welche Erwartungen haben Sie an die Klimakonferenz? Was wäre eine erwünschte Vereinbarung? Wo fehlt es an politischem Willen und wo könnte man mehr tun?

Eine Vision dafür hat etwa Martin Kaiser von Greenpeace: Bis 2050 müsse die Energieversorgung aus 100 Prozent erneuerbare Energien bestehen, fordert er. "Ein Komplettumbau der globalen Energieversorgung bis zur Mitte des Jahrhunderts ist nicht nur technisch möglich, er rechnet sich auch". Den Aspekt der wirtschaftlichen Rentabilität erwähnt auch Christoph Bals von Germanwatch.

Dorothea Schäfer, Finanzexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) sieht hingegen den Klimaschutz in Krisenzeiten hinten angestellt. Es gebe eine sehr hohe Budgetkonkurrenz. Man könne aber neue Einkommen für den Klimaschutz generieren, etwa durch eine Finanztransaktionssteuer. Auch Brigitte Knopf vom Mercator Institut fordert eine zusätzliche Finanzquelle. Die sieht sie in der Bepreisung für CO2, vor allem die G20 sollten diese durchsetzen, als Verursacher von drei Viertel aller Treibhausgasemissionen der Welt.

Die Ziele von Paris sind weniger ambitioniert, aber durchsetzbarer als die von Kyoto

Claudia Kemfert vom DIW meint, dass jetzt Bottom-up-Projekte gefragt seien, im Gegensatz zu Kyoto. Jedes Land müsse seine eigenen Ziele setzen, Deutschland müsse eine Vorreiterrolle einnehmen. Auch Niklas Höhne vom NewClimate Institut zieht den Vergleich zu Kyoto. Er sieht in Paris eine Möglichkeit auf einen großen Erfolg, denn im Gegensatz zu Kyoto seien zwar die Ziele weniger ambitioniert, dafür hätten sie aber eine breite Unterstützung der jeweiligen Regierungen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Vorschläge wirklich umgesetzt würden, sei groß.

Gleich mehrere Autoren kritisieren, dass die Regierung vor der Braunkohlelobby eingeknickt sei, etwa die Juristin Cornelia Ziehm und der DIW-Forschungsdirektor Christian von Hirschhausen: Der Erfolg von Paris sei nicht nur an einer guten Abschlusserklärung messbar, schreibt er, sondern auch am Ende des Braunkohle-Stroms.

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