Milliardenmarkt Pilgerstätten : Göttliche Geschäfte

Schwarze Madonnen, Apostel-Knochen, Grabtücher: Wallfahrtsorte und Pilgerstätten sind Teil eines touristischen Milliardengeschäfts. Ein Einblick über die Macht des Glaubens für profanes Marketing. Mehr in unserem heute erschienenen Zeitungsteil "Causa".

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Auch zur Kathedrale von Santiago de Compostela pilgern viele Gläubige.
Auch zur Kathedrale von Santiago de Compostela pilgern viele Gläubige.Foto: dpa

Turin liegt im Piemont, und das ist das Problem. Außer Turin ist da nicht allzu viel, die Sehenswürdigkeiten häufen sich nicht wie etwa in der Toskana, auf Sizilien, in Rom. Nur rund drei Millionen Touristen verirren sich jährlich in die immerhin viertgrößte Stadt Italiens. Außer: Der Dom San Giovanni Battista öffnet seine Pforten für Pilger. Pilger, die das weltberühmte Turiner Grabtuch sehen wollen, das seit 1578 dort aufbewahrt wird. Dann strömen in nur wenigen Wochen mehr als zwei Millionen Menschen in die Stadt.

In diesem Juni ist es wieder so weit. Papst Franziskus hat seine Visite angekündigt. Das Tuch, das die Züge Christi zeigen soll, wird hinter vier Zentimeter dickem Panzerglas der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Für Turin bedeutet das Aufwand, aber vor allem: blühende Geschäfte. Die Besucher müssen übernachten, essen, und kaufen in der Regel jede Menge Andenken. Sofakissen im Grabtuch-Design, Kostenpunkt: 135 Euro.

Die Gläubigen übernachten, essen, kaufen. Umsatz: Bis zu 20 Milliarden Euro

Das Turiner Grabtuch wird unregelmäßig ausgestellt, zum Beispiel, wenn laut Römisch-Katholischer Kirche ein „Heiliges Jahr“ ist oder der Papst es anordnet. Doch es ist ein Symbol für etwas, das man gut und gerne „göttliche Industrie“ nennen kann. Das Geschäft mit Gott ist ein Milliardenmarkt – der in allen Weltreligionen floriert. Laut Schätzungen der UN-Tourismusorganisation UNWTO pilgern jährlich etwa 330 Millionen Menschen zu religiösen und kultischen Stätten. Genaue Umsatzzahlen sind schwieriger zu ermitteln, doch Experten veranschlagen Summen zwischen 13 und 20 Milliarden Euro jährlich. Allein der innerdeutsche Umsatz, der mit spirituellen Reisen erwirtschaftet wird, beläuft sich auf eine Milliarde Euro pro Jahr.

Woran liegt es, ob ein Wallfahrtsort zum Magnet für Gläubige wird oder nicht? Wie professionalisiert ist die Vermarktung dieser Pilgerstätten? Das können Sie in der Tagesspiegel "Causa" vom 14. Juni 2015 lesen. Im E-Paper finden Sie dazu auch eine große Infografik.

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