Soziologe Zygmunt Bauman auf der re:publica : In einsamer Gesellschaft

Der 89-jährige Soziologe Zygmunt Bauman war ein Stargarst der re:publica 2015. Er sagt: Menschen geben ihre Privatheit auf, um digital dazu zu gehören.

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Zygmunt Bauman auf der re:publica 2015.
Zygmunt Bauman auf der re:publica 2015.Foto: Hendrik Lehmann

Es gab eine Zeit, in der der Mensch sich gerne mit sich selbst beschäftigte und kein Problem damit hatte, Stunden und Tage mit sich allein zu sein. Das ist lange her. Neun Stunden täglich gucken wir im Schnitt seitdem auf größere und kleinere Bildschirme. Immerhin neun Stunden von 24, in denen wir uns nicht allein fühlen müssen.

„Kuck mal, was macht der Opa hier?“

So weit eine der Thesen von Zygmunt Bauman. 1925 im polnischen Posen geboren, ist er einer der bedeutendsten Modernitätssoziologen der Gegenwart, wurde 2014 von der Deutschen Gesellschaft für Soziologie für ein „hervorragendes wissenschaftliches Lebenswerk“ ausgezeichnet. Auf der re:publica 2015 war Bauman einer der populärsten, und – das war absehbar – der älteste Redner. Hunderte Zuhörer fanden sich vor Bühne eins ein, um seinen Vortrag zu hören. „From Privacy to Publicity: the changing mode of being-in-the-world“ war der Titel. Da hatte man schon Knackigeres gehört. Und obwohl Bauman trotz seines hohen Alters immer noch an vielen, hochaktuellen Debatten teilnimmt – bevorzugt in Großbritannien, wo er seit langem lebt – identifizierten ihn einige re:publica-Gäste im Innenhof der Station erst einmal ziemlich falsch. „Kuck mal, was macht der Opa hier?“ „Opa“ sollte kurz darauf wortgewaltig die Bühne entern.

Die Furcht, ausgeschlossen zu werden

Ratschläge zu geben ist nicht so Baumans Ding. Vielleicht glaubt er auch, das habe keinen Effekt. Werde der Mensch doch von wesentlich grundlegenderen Bedürfnissen gesteuert: Etwa dem Wunsch, dazuzugehören. „Die Furcht, ausgeschlossen zu werden, ist die dominante Furcht unserer Generation“, sagte er. Dazu gesellt sich die Angst, für andere unwichtig zu sein. Im Netz herrsche daher ein wahrer „Krieg um Aufmerksamkeit“.

Der vollständige Text findet sich in "Causa" vom 10. Mai 2015 - einer neuen Publikation des Tagesspiegels, die jeden Sonntag erscheint. Die aktuelle Ausgabe können Sie auch im E-Paper lesen.


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