Stadionsprecher bei Hertha BSC Berlin : Der Drei-Punkte-Dienstleister

Fabian von Wachsmann hat eine ziemlich zähe Saison hinter sich: Er ist Stadionsprecher bei Hertha BSC Berlin. Was sagt er Fans, wenn die Mannschaft mal wieder nicht gewinnt?

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Wachsmann (rechts) interviewt 2010 den damaligen Hertha-Spieler Andre Mijatovic. Foto: fotolia
Wachsmann (rechts) interviewt 2010 den damaligen Hertha-Spieler Andre Mijatovic.Foto: fotolia

Guten Tag, Herr von Wachsmann, wie geht es Ihnen? Gab ja schon mal schönere Zeiten für einen Stadionsprecher bei Hertha BSC.
Finden Sie diese Zeiten so schlecht? Also, ich bin nicht unzufrieden. Ich mache den Job bei Hertha jetzt seit November 1994. Da habe ich sehr viel unangenehmere Situationen erlebt. In meiner persönlichen Rangliste nach gut zwanzig Jahren liegt diese Saison irgendwo im gesicherten Mittelfeld. Schauen Sie sich doch mal die Zuschauerzahlen an, da sind wir in der Bundesliga ganz gut mit dabei. Und dann die Stimmung – also ich höre immer wieder von anderen Klubs, wie überrascht die sind, wie laut es bei uns zugeht, trotz der sportlich nicht immer einfachen Lage.
Da geht es Ihnen besser als dem Kommunikationschef von Germanwings.
Viel besser! Aber es gab auch andere Zeiten. Vor fünf Jahren, als wir in der Hinrunde nur sechs Punkte geholt hatten und Letzter waren, da ist es mir schon schwer gefallen, nach jeder Niederlage aufs Neue zu sagen: Heute war es nicht so gut, aber nächstes Mal wird es besser. Irgendwann fehlten auch mir die Worte, und das hat man mir bestimmt auch angemerkt. Ich haben zwar meinen Abstand, aber natürlich bin ich auch emotional verhaftet.
Mussten Sie schon mal unschöne Sachen schön reden?
Das musste ich noch nie. Es gab früher schon mal unangenehme Situationen. In den neunziger Jahren, als es noch rassistische Zuschauer im Stadion gab, da mussten wir schon mal dazwischen gehen. Dieses Problem hat der Verein glücklicherweise sehr gut in den Griff bekommen.
Fühlen Sie sich manchmal wie ein Unternehmenssprecher? Immerhin haben Sie knapp zwei Stunden lang die Kommunikationshoheit über bis zu 75000 Menschen. Da könnte man ja schon mal in Versuchung kommen, das Publikum zu steuern
Nein. Ich verstehe mich eher als Dienstleister. Ich versuche die Stimmung im Publikum zu erfassen, ich will wissen was gewünscht wird, und das will ich dann auch liefern. Wenn ich an der entscheidenden Stelle etwas falsch mache, stehe ja nicht nur ich blöd da, sondern der ganze Verein. Deswegen frage ich schon mal beim Verein nach, bevor ich zum Beispiel sage: Jetzt greifen wir den Europapokal an!

Das komplette Interview findet sich in "Causa" vom 17. Mai 2015 - einer neuen Publikation des Tagesspiegels, die jeden Sonntag erscheint. Und im E-Paper .

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