Trends der Woche : Apps ersetzen den Arztbesuch

Aus den Krankenhäusern verschwinden die Papierakten, der Patient kommt mit allen medizinischen Daten zum Arzt: Health IT wird die Gesundheitsbranche massiv verändern.

Ekkehard Mittelstadt
Medizinische Daten könnte der Patient bald selbst liefern - per Smartphone.
Medizinische Daten könnte der Patient bald selbst liefern - per Smartphone.Foto: dpa

Wie wäre es, wenn ein Patient in Zukunft oft gar nicht mehr zum Arzt kommen muss? Weil sein Smartphone, seine Uhr und weitere technische Helfer und Sensoren direkt mit dem Arzt kommunizieren ? Und zum Beispiel seinen Blutdruck und die Blutzuckerwerte überwachen? Zukunftsmusik? Nicht, wenn man die aktuellen Möglichkeiten entsprechend nutzt.

Der Patient kann heute ohnehin bereits mit vielen medizinischen Daten in die Arztpraxis kommen. Zumindest, wenn er beispielsweise ein IPhone 6 besitzt. Auf dem ist nämlich die so genannte „Health App“ vorinstalliert: Sie zählt die täglich gelaufenen Schritte, kann Vitalwerte messen und verwaltet Gesundheitsdaten wie Blutdruck und Sauerstoffsättigung, Herz- und Atemfrequenz.

Ärzte haben mehr Zeit für die Behandlung ihrer Patienten

Abschalten oder de-installieren lässt sich die „Health App“ nicht, was zunächst ein bisschen unheimlich wirkt. Medizinische Smartphone-Anwendungen wie die „Health App“ werden die Versorgung der Menschen aber insgesamt verbessern und den Arzt bei seiner Arbeit unterstützen. So hat dieser mehr Zeit für die individuelle Behandlung seiner Patienten.

Ekkehard Mittelstadt ist Geschäftsführer des Bundesverbands Gesundheits IT.
Ekkehard Mittelstadt ist Geschäftsführer des Bundesverbands Gesundheits IT.Foto: Promo

Auch für Mitarbeiter in Gesundheitseinrichtungen gibt es jetzt bereits zahlreiche spezialisierte Anwendungen, die mobil genutzt werden können. Zum Beispiel Apps, die Behandlungsdaten wie Röntgenbilder oder OP-Berichte von Patienten immer und überall verfügbar machen. Das ist etwa im Krankenhaus, bei Pflege- oder Reha-Einrichtungen besonders nützlich. Der Arzt muss sich am Krankenbett nicht mehr durch einen Wust Papier quälen, um die korrekte Diagnose zu finden. Stattdessen öffnet er einfach eine App auf seinem Smartphone oder Tablet – und sieht dann beispielsweise den gesamten Krankheitsverlauf sowie weitere relevante Daten. Papierakten wird es in Krankenhäusern deshalb nicht mehr allzu lange geben.

In wenigen Jahren gehen wir mit Smartphones zum Arzt

Die größte Herausforderung ist derzeit, diese beiden Ansätze miteinander zu verbinden: Wie schafft man es, sowohl Patienten- als auch ärztliche Daten zusammenfließen zu lassen? Oft verhindern noch datenschutzrechtliche Probleme weitere Innovationen, obwohl viele Unternehmen und Startups gerade an dieser Frage arbeiten. Ähnlich, wie man heute seine Symptome googelt, wird man in einigen Jahren aber wie selbstverständlich mit seinem Smartphone zum Arzt zu gehen. Dazu brauchen wir unsere Daten – und zwar auch digital. Am 14. April startet in Berlin die conhIT, Europas wichtigste Branchenmesse für IT im Gesundheitswesen.

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