Trends der Woche : "Boreout" wird das neue "Burnout" sein

Immer wieder hört man von „Burnout“. Dabei sind fast genauso viele Menschen gestresst, weil sie sich langweilen. In Zukunft wird der „Boreout“-Zustand eine immer größere Rolle spielen.

Günther Vedder
Berufstätige sind nicht nur unzufrieden, wenn sie zu viel arbeiten, sondern auch, wenn sie sich langweilen.
Berufstätige sind nicht nur unzufrieden, wenn sie zu viel arbeiten, sondern auch, wenn sie sich langweilen.Foto: dpa

Immer wieder hört man von „Burnout“. Fast jeder Vierte soll sich in seinem Beruf überfordert fühlen. Was allerdings faszinierend ist: Aus dem Stressreport 2012 geht hervor, dass fast jeder fünfte Arbeitnehmer gestresst ist, weil er sich unterfordert fühlt. 13 Prozent der Arbeitnehmer fühlen sich fachlich zu wenig in Anspruch genommen, weitere fünf Prozent haben viel zu wenig zu tun. Die meisten Fälle gibt es in der öffentlichen Verwaltung, im Militär, wenn die Soldaten nicht in einem Einsatz sind oder sich darauf vorbereiten – und bei der eintönigen Arbeit am Fließband.

Ein Tabu-Thema in der Gesellschaft

Anders als der Begriff „Burnout“ wird der „Boreout“-Zustand (von engl. „boredom“, Langeweile) kaum öffentlich diskutiert. Niemand traut sich da so richtig ran, es ist ein Tabu-Thema. Dabei wird er in Zukunft immer wichtiger werden, weil die Arbeit weiter rationalisiert wird und gleichzeitig immer mehr Menschen studieren.

Günther Vedder ist Arbeitswissenschaftler an der Leibniz Universität Hannover.
Günther Vedder ist Arbeitswissenschaftler an der Leibniz Universität Hannover.Foto: Agnes Philipp

Deswegen nehmen sie Stellen an, für die kein Studium nötig ist und sind letztlich überqualifiziert. Berufseinsteigern trauen die Arbeitgeber manchmal auch nicht viel zu, sie dürfen nur einfache Aufgaben erledigen. Die junge Generation achtet aber mehr darauf, ob die Arbeit ihnen Spaß macht und ob sie Sinn ergibt.

Manchmal ist das Problem auch eine ungerechte Verteilung von Arbeit, was innerhalb von Abteilungen zu großen Belastungsunterschieden führen kann. Wegen interner Umstrukturierungen können ganze Aufgabenpakete wegfallen, ohne dass sich die Personalstärke verändert. Und: Geringe Arbeitsumfänge kann eine Folge von Mobbing sein. Man kann Leute fertigmachen, indem man ihnen die Arbeit wegnimmt.

Kopfschmerzen bis Depressionen

Für eine kurze Zeit sind Monotonie und Langeweile kein Problem. Dauert sie aber an, macht Unterforderung krank. „Boreout“ geht an das Selbstwertgefühl und an die Gesundheit, Symptome sind Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Erschöpfung bis hin zu Depressionen. Ähnlich wie beim „Burnout“. Denn jeder möchte in seinem Job die Leistung erbringen, die er kann – und dafür Wertschätzung bekommen.

Günther Vedder ist Arbeitswissenschaftler an der Leibniz Universität Hannover.

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