Trends der Woche : "Das Fangnetz sortiert die Falschen aus"

Was tun, wenn Fische ins Netz gehen, die man gar nicht fangen wollte? Eine Art Baukastensystem soll Beifang bald die Flucht ermöglichen.

Daniel Stepputtis
Ein Fisch im Netz.
Ein Fisch im Netz.Foto: dpa

Ein schwedischer Fischer hatte die Idee. Er war es leid, ständig Plattfische über Bord werfen zu müssen, die er nicht fangen wollte. Doch Schollen sind oft zur selben Zeit am selben Ort wie Dorsche, auf die er es eigentlich abgesehen hat. Deshalb wollte der Schwede Fluchtöffnungen für die von ihm vom Meeresboden aufgescheuchten Plattfische in sein Netz montieren. Die Idee war gut, sie war auch von allgemeinem Interesse, weil in der Ostsee ab 2017 auch unerwünscht gefangene Schollen an Land gebracht werden müssen, doch die Sache funktionierte erstmal nicht.

Man muss sich das Fluchtverhalten der Fische zu Nutze machen

Die EU schreibt der Fischerei vor, wie viel Fisch gefangen werden darf. Daran wird sich nichts ändern. Aber bald muss alles, was gefangen wird, auch angelandet werden. Da ist es sinnvoll, dem Fischer klügere Netze bereit zu stellen – eine Art Baukasten, mit dem er seine Netze selbst optimieren kann. Denn unerwünschter Beifang ist lästig, verschwendet wertvolle lebende Ressourcen, kostet Zeit und Energie. Um dessen Menge zu reduzieren, muss man Fische noch im Wasser voneinander trennen. Dafür kann man sich deren Fluchtverhalten zu Nutze machen.

So neigen Dorsche dazu, bei Stress im Netz nach oben zu fliehen, Plattfische dagegen nach unten, wenn ihnen Öffnungen am Netzboden das erlauben würden. Um kleinere Arten von größeren zu trennen, bieten sich "Vorhänge" an. Vor denen nehmen die größeren erschrocken Reißaus und gelangen durch Fenster im Netzdach in die Freiheit. Bei Schleppnetzversuchen des Thünen-Instituts für Ostseefischerei mit entsprechend präpariertem Gerät reduzierte sich der unerwünschte Beifang erheblich, mitunter um drei Viertel. Noch sind solche Techniken dem Bedarf voraus. Aber nur ein Jahr.

Daniel Stepputtis forscht über Fischereitechnologie am Thünen-Institut für Ostseefischerei in Rostock.

Dieser Text erschien am 23. August 2015 in "Causa". "Causa" ist eine neue Publikation des Tagesspiegels, die Sie auch als E-Paper lesen können.

1 Kommentar

Neuester Kommentar