Trends der Woche : "Der Setzkasten kehrt zurück"

Warum geht eigentlich niemand mehr ins Einrichtungshaus, sondern nur noch in Dekoläden? Eine Expertin erklärt.

Nicolette Naumann
Eiche rustikal war gestern. Heute wohnt man nach dem Setzkastenprinzip.
Eiche rustikal war gestern. Heute wohnt man nach dem Setzkastenprinzip.Foto: dpa

Was früher Einrichtungshäuser erledigten, wenn Menschen ihr Umfeld wohnlicher machen wollten, das übernehmen heute Dekorationsläden. Statt der einen großen Lösung, an die man sich sein Leben lang bindet, stehen viele kleine Lösungen hoch im Kurs. Accessoires für den großen oder auch kleinen Geldbeutel, von denen man sich auch wieder trennt, wenn sie einem über sind. Das macht den Setzkasten beliebt wie nie. Sei es als Möbel, Mini-Regal oder Designelement in Form von Buchstaben oder Häusern, verleitet es zur beständigen Beschäftigung und Erweiterung. Denn erst bedarf es des Setzkastens, und dann der Gegenstände dafür, womit das Schachtelfeld an der Wand die Massengesellschaft in die Privatsphäre holt. Es befördert die Illusion des Individuellen, indem man selbst es ist, der Dinge komponiert. Ob etwas Teures oder Billiges aufbewahrt wird, ist für die gesellschaftliche Positionierung unerheblich. Die persönliche Verknüpfung schafft den Wert.

Nicolette Naumann verantwortet die Messen Tendence und Ambiente in Frankfurt.

Dieser Text erschien am 23. August 2015 in "Causa". "Causa" ist eine neue Publikation des Tagesspiegels, die Sie auch als E-Paper lesen können.