Trends der Woche : "Staatsdiener sind schlimmer als Drogenkartelle"

Was "Reporter ohne Grenzen" beim Thema Pressefreiheit zur Zeit beobachtet: In Kolumbien werden Journalisten immer häufiger von Staatsdienern bedroht.

Christian Mihr
Auch Militärs sind in Kolumbien stark in Korruption verstrickt.
Auch Militärs sind in Kolumbien stark in Korruption verstrickt.Foto: dpa

Kolumbianische Journalisten werden bedroht, eingeschüchtert und oft sogar ermordet. Die Angriffe kommen von Drogenkartellen, Guerillagruppen, Kriminellen und Paramilitärs, zunehmend aber auch von Politikern. Die Bedrohung von Journalisten in Kolumbien ist ungebrochen groß, Kolumbien ist für Reporter eines der gefährlichsten Länder Amerikas. Und diese Gefahr geht eben auch sehr oft von staatlicher Seite aus.

Ermordungen werden kaum geahndet

Warum? Weil sogar die Ermordung von Journalisten in Kolumbien kaum geahndet wird. Dafür gibt es mehrere Gründe: Von den zuständigen Behörden wird oft ausgeschlossen, dass der Beruf der Grund für einen Mord war. Es gibt zwar ein staatliches Schutzprogramm, das 80 gefährdeten Journalisten Leibwächter zur Seite stellt. Aber das ist unzureichend. Außerdem sind alle Morde, die vor dem Jahr 2000 begangen wurden, mittlerweile verjährt. Das wiegt die Täter in Sicherheit. Seit dem Jahr 2000 sind mindestens 58 Journalisten in Kolumbien aufgrund ihres Berufs ermordet worden.

Christian Mihr ist Geschäftsführer von "Reporter ohne Grenzen".
Christian Mihr ist Geschäftsführer von "Reporter ohne Grenzen".Foto: Promo

Die gefährlichsten Themen für kolumbianische Journalisten sind Kriminalitätsberichterstattung, Berichte über Landkonflikte, Drogenkartelle – und über Korruption von Behörden. An Korruption verdienen alle, und daher sind auch Polizei, Justiz und andere Sicherheitsapparate wie das Militär darin verstrickt. Und deshalb werden Journalisten durch eben jene „Staatsdiener im weitesten Sinne“ – bedroht.

Journalisten als "militärische Ziele"

Vor kurzem hat die paramilitärische Gruppe „Aguilas negras“ sogar eine schwarze Liste mit den Namen von Journalisten und journalistischen Organisationen veröffentlicht – als mögliche „militärische Ziele“. Das erhöht natürlich weiter den Druck, unter dem die Betroffenen arbeiten. Zudem sind 2015 bereits die zwei kolumbianischen Radiojournalisten Edgar Quintero und Luis Peralta ermordet worden. Fragt man Betroffene, wünschen sie sich vor allem zwei Dinge: Mehr Sicherheit – und, dass Verbrechen an Journalisten endlich nicht mehr straffrei sind.

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