Trends im Luftverkehr : "Flugbenzin aus Müll"

Fliegen wird in Zukunft entweder spartanisch oder äußerst luxuriös, behaupten zwei Wissenschaftlerinnen. Sie prognostizieren auch eine Lösung für steigende Benzinpreise.

Yvonne Ziegeler, Kristin Zimmer
Eine Maschine der irischen Fluggesellschaft Ryanair.
Eine Maschine der irischen Fluggesellschaft Ryanair.Foto: dpa

„IndiGo“ ist die neue „Ryanair“. Eine schnell wachsende Billigfluglinie – nur indisch, nicht irisch. Im Luftverkehr ist Asien der Markt der Zukunft, und in Indien dominieren Low-Cost-Carrier den Personentransport. Dabei handelt es sich auch um einen weltweiten Trend: Fliegen wird immer spartanischer. Noch der letzte Schokoriegel wird bald dem Sparzwang zum Opfer gefallen sein. Einerseits. Andererseits wird Fliegen immer luxuriöser.

Sitze mit Massagefunktion gehören in der Business-Class vieler Airlines zum Standard. Bei „Emirates“ gibt es Duschen in der Kabine und bei „Etihad“ kann man von Dezember an sogar in einer Drei-Zimmer-Wohnung von Abu Dhabi nach London reisen. An sich ist es ja ein triviales Bedürfnis, auf dem das Geschäftsmodell von Fluggesellschaften fußt: Ihre Kunden wollen von A nach B. Den Wettbewerb über die kürzeste Reisezeit verfolgen die Airlines seit dem Ende des Überschallflugzeugs Concorde nicht weiter. Außer dem Preis bleibt nur der Komfort, um sich von einander abzugrenzen. Manche Airlines wollen ihre Kabine zur Kontaktbörse machen.

Benzin aus Müll - mehr als eine Marketingidee

Bei „Emirates“ gibt es in der Business Class eine Bar, an der angeblich Deals eingefädelt werden. Bei „South African Airlines“ kann man sich seinen Sitznachbarn nach gemeinsamen Interessen aussuchen. Doch ist es fraglich, ob Passagiere überhaupt so viel über sich preisgeben wollen, damit der so genannte „Social Seat Selector“ sinnvolle Paare bilden kann. Mehr als eine Marketingidee sind die Forschungen verschiedener Fluggesellschaften, Treibstoff aus Müll zu gewinnen. Zum Preis fürs Kerosin kommen für europäische Airlines die teuren CO2-Zertifikate hinzu.

Bereits übernächstes Jahr will British Airways in London Biofuel aus Abfällen gewinnen. Doch dafür braucht man riesige Mengen Müll. Die Lufthansa hat einmal ausgerechnet, dass man den gesamten Müll Polens verarbeiten müsste, nur um Berliner Flughäfen mit recyceltem Treibstoff zu versorgen. Aus Abfällen, die eine Mülltrennung durchlaufen haben, lässt sich kein Biofuel mehr herstellen.

Der Text erschien am 26. Juli in "Causa", einer neuen Publikation des Tagesspiegels. Sie können "Causa" auch als E-Paper lesen.