Trends von gestern : Das Tamagotchi

Das Tamagotchi war eine Mischung aus Spielzeug und Haustier. Wer es besaß, musste sich kümmern. Es konnte allerdings mehrmals sterben - bis es schließlich ganz ausstarb.

Arno Makowsky
Das Tamagotchi kam ursprünglich aus Japan.
Das Tamagotchi kam ursprünglich aus Japan.Foto: dpa

Die ewige Frage, was denn zuerst da war, das Küken oder das Ei, lässt sich im Fall des Tamagotchis klar beantworten: das Ei. Es entstand im Jahr 1996 in Japan und wurde am 12. Mai 1997 in Deutschland ausgeliefert. Von diesem Tag an gab es kein Halten mehr. Jeder wollte ein Tamagotchi, ein virtuelles Küken, das den Unterschied zwischen Spielzeug und echtem Tier aufzuheben schien. Wer es besaß, musste sich kümmern. Fast so wie bei einem richtigen Hamster oder Zwerghasen. War das Tamagotchi erst mal geschlüpft, stellte es anspruchsvolle Forderungen, wollte etwas fressen, trinken oder schlafen. Man musste es streicheln oder ihm gut zureden, sonst begann es zu quäken und zu nerven. Die Sechsjährigen des Jahres 1997 nahmen diese Aufgaben ziemlich ernst. Für ihre Eltern war die Anschaffung eines Tamagotchis von zweispältigen Gefühlen begleitet.

Das Kind schenkte seine Liebe einem kalten Gegenstand - spooky

Einerseits hatte das elektronische Haustier enorme Vorteile: Es fraß keinen Salat und kein ekliges Katzenfutter und man konnte es mit in den Urlaub nehmen. Andererseits schenkte das Kind seine ganze Liebe einem kalten Gegenstand - irgendwie war das spooky. Auch verpuffte der pädagogische Wert eines echten Haustiers völlig. Denn wenn das Tamagotchi aufgrund mangelnder Fürsorge starb, drückte man einfach den Reset-Knopf. Das funktionierte bei Schnüffel, dem Meerschweinchen, leider nicht. Auch deshalb bleiben echte Tiere immer im Trend, während das Tamagotchi schon bald ausstarb. Digitale Altertumsforscher mit dem Spezialgebiet Neunzigerjahre haben es allerdings kürzlich wiederentdeckt. Und so schlüpft das Tamagotchi neuerdings aus der Apple Watch.