Unesco-Weltkulturerbe : Schutz ohne Macht

Einmal jährlich trifft sich die Welterbe-Kommission der Unesco, um ihr höchstes Gütesiegel zu verteilen. Es soll die Schätze der Erde vor Zerstörung bewahren. Immer mehr sind bedroht.

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Eine Liste soll die Welt retten. Das steht hinter der Idee, die Kulturgüter der Erde sowie ihre Naturschätze in einem zentralen Register zusammenzufassen und damit für unantastbar zu erklären. Aber es ist eben nur eine Liste, verwaltet vom Welterbekommitee der Unesco. Es tagt Ende Juni im alten Bonner Bundestag, um über Neuaufnahmen zu entscheiden.
Waffen werden an die Hüter des historischen Inventars der Erde nicht verteilt, obwohl die nötig wären, um es zu schützen. Nur gute Argumente. Der Wert von Altertümern und Naturreservaten ist unbestreitbar. Das hält Menschen aber nicht davon ab, ihnen zu schaden. Mit der gezielten Zerstörung der Buddha-Statuen von Bamyan durch die Taliban 2001 sind Kultstätten und Heiligtümer direkte Kriegsziele geworden. Und ihre Vernichtung eine Art, sie aus dem Gedächtnis zu streichen.

46 Welterbestätten sind akut gefährdet

Als Bundestagspräsident Norbert Lammert in der vergangenen Woche eine kleine Ausstellung im Paul-Löbe-Haus mit Projekten des Auswärtigen Amtes zum Erhalt solcher Kulturgüter eröffnete, da sagte er: „Gesellschaften werden nicht durch Politik zusammengehalten.“ Nein, oftmals würden sie durch sie sogar auseinandergetrieben. Der Zusammenhalt wird durch etwas anderes gestiftet. Was eine Gesellschaft an Werten miteinander teilt, das drückt sich in ihrer Kultur aus. Insofern seien, so Lammert weiter, die Attacken auf die Kultur „Angriffe auf die Identität von Gesellschaften“. Das Vernichtungswerk an den alten Gemäuern ersetze deshalb oft die Abschlachtung der Menschen nicht, es sei „nur eine Variante“.

Von den 46 als akut gefährdet eingestuften Welterbestätten sind allein 22 in den letzten fünf Jahren neu hinzugekommen. Darunter Regenwaldreservate auf Sumatra, Madagaskar und in Honduras, die mehrere zehntausend Jahre alt sind und denen die fortgesetzten Rodungen und der Anbau von schnell wachsenden Nutzpflanzen zusetzen.

Den vollständigen Text finden Sie auch in "Causa" vom 21. Juni 2015, einer neuen Publikation des Tagesspiegels. Sie können "Causa" auch als E-Paper lesen.