UNIVERSITÄTEN : „In der Bildung zahlt sich Tradition aus“

Das Versandzentrum von Quelle. Seit der Insolvenz des Konzerns 2009 steht es leer.
Das Versandzentrum von Quelle. Seit der Insolvenz des Konzerns 2009 steht es leer.Foto: picture alliance / dpa

Der Globalisierungsprozess macht auch vor den Hochschulen der Welt nicht halt. Er verläuft ungesteuert, chaotisch. Dabei besteht das Risiko, dass sehr teure – und in der Forschung wegen unbegrenzter Mittel erfolgreiche – amerikanische Universitäten weltweit die Oberhand gewinnen. Durch die Gründung von „Branch-Campusses“ (Zweigstellen) zwingen sie die Ortsansässigen in einen Wettbewerb auf Marktbasis. Mehr noch: Universitäten verkommen in diesem Prozess zu Berufsausbildungseinrichtungen für die Oberschicht. Besonders die Angehörigen der Mittelschicht werden auf zweit- und drittklassige Einrichtungen verdrängt.

Das Phänomen der sozialen Selektion existiert nicht nur im angloamerikanischen Raum, sondern inzwischen auch in Ländern Asiens und Afrikas. Doch überall regen sich Proteste gegen diese Entwicklung, rufen Schüler und Studierende nach „freier Bildung für alle“. Es gibt ein Modell, das ihnen Mut machen kann: Die großen, traditionsreichen Universitätssysteme in Kontinentaleuropa und in Teilen Ostasiens stehen für Leistung auf höchstem Niveau und gleichzeitig für die Sicherung sozialer Gerechtigkeit beim Zugang zu höherer Bildung in staatlichen Universitäten. Möglich wird dieses durch Gebührenfreiheit (z. B. Deutschland) oder durch reine Bestenauslese mit begleitenden Stipendien für den Lebensunterhalt (z. B. China). Dieses Modell müssen wir sichern – und in aller Welt propagieren. Die Welt braucht ein Hochschulsystem, für das die Gesellschaft als Ganze Verantwortung übernimmt und das den Anspruch auf humane Menschenbildung und nicht primär auf Profitmaximierung verwirklicht. Es hieße, dass der Staat Steuergelder in Bildung investiert, weil er deren Wert für die Allgemeinheit schätzt.

Vom 10. bis 12. Juni kommen 50 Präsidentinnen und Präsidenten führender Unis zum Transnational University Leaders Council nach Hamburg.

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