Worte mit Wirkung : „Houston, wir haben ein Problem“

Der Satz, den James Lovell am 13. April 1970 auf dem Weg zum Mond sagte, vertreibt die Nasa heute als Klingelton. Wie kam es dazu?

Rainer W. During
Die Landungen auf dem Mond waren schon beinahe Routine geworden, als die Apollo-13-Mission in Schwierigkeiten geriet. An Bord die Astronauten James Lovell, John Swigert und Fred Haise. Immer wieder wurden sie vor Probleme gestellt. In der Nasa-Kommandozentrale in Houston (Bild) tüftelte der Stab an Lösungen. Lovells Satz, ohne jede Regung an die Erde gefunkt, ist zum geläufigen Spruch geworden.
Die Landungen auf dem Mond waren schon beinahe Routine geworden, als die Apollo-13-Mission in Schwierigkeiten geriet. An Bord die...Foto: AFP PHOTO / NASA

Alles sah wie Routine aus, als am 11. April 1970 – ein Dreivierteljahr nach der ersten Mondlandung – in Cape Kennedy bereits die dritte Weltraummission zum Erdtrabanten aufbrach. So schenkte die Öffentlichkeit dem Ereignis kaum noch Beachtung. Dass es sich ausgerechnet um den Flug Apollo 13 handelte, die Uhren im Kontrollzentrum Houston 13.13 Uhr zeigten, als die Saturn-Rakete abhob und die Raumkapsel auch noch auf den Namen „Odyssee“ getauft war, wertete noch niemand als schlechtes Omen.

Das änderte sich schlagartig nach 55 Stunden und 54 Minuten. 322 000 Kilometer von der Erde entfernt explodierte einer der beiden Sauerstofftanks im Servicemodul der Raumkapsel, der zweite Tank schlug leck. „Okay Houston, wir haben da gerade ein Problem gehabt“, funkte Apollo-Pilot John Swigert zur Bodenstation. Doch dort verstand man ihn nicht und bat um Wiederholung der Meldung. Nun meldete sich Bordkommandant James Lovell zu Wort: „Houston, wir haben ein Problem gehabt.“

Doch die Probleme fingen erst an: Die Lebenserhaltungssysteme der Raumkapsel versagten, die drei Astronauten mussten in die nur für zwei Personen ausgelegte Mondlandefähre umsteigen, ihre Chancen, lebend zur Erde zurückzukehren, standen schlecht. Da war das Kohlenmonoxyd, das die drei Männer ausatmeten. Weil die Filtersysteme beider Raumfahrzeuge nicht kompatibel waren – das eine rund, das andere eckig –, bastelten sie aus Klebeband, Plastiktüten, Flugplänen und einer Socke einen Adapter. Da alle überflüssigen Stromverbraucher abgeschaltet wurden, sank die Temperatur auf null Grad.

Für die Rückkehr zur Erde wählte die Kommandozentrale in Houston den Weg um den Mond herum, um dessen Schwerkraft als Antrieb zu nutzen. Erst kurz vor dem Wiedereintritt in die Erdatmosphäre kehrten die Astronauten in das mit dem Hitzeschutzschild ausgestattete Landeteil zurück. Die Mondfähre und das Servicemodul wurden abgesprengt und verglühten. Nach vier bangen Tagen landeten die Männer am 17. April sicher im Pazifik.

1995 wurde das Drama mit Tom Hanks verfilmt, das Wort „gehabt“ gestrichen. Der Astronaut selbst übernahm eine kleine Rolle als Kapitän des Bergungsschiffes, der die Besatzung nach ihrer Rückkehr begrüßt. Den Original-Funkspruch gibt es auf der Nasa-Website zum Download als Klingelton. Rainer W. During

Die Landungen auf dem Mond waren schon beinahe Routine geworden, als die Apollo-13-Mission in Schwierigkeiten geriet. An Bord die Astronauten James Lovell, John Swigert und Fred Haise. Immer wieder wurden sie vor Probleme gestellt. In der Nasa-Kommandozentrale in Houston (Bild) tüftelte der Stab an Lösungen. Lovells Satz, ohne jede Regung an die Erde gefunkt, ist zum geläufigen Spruch geworden.

Frau Aigner, warum ist es so schwer, den Menschen klarzumachen, dass Stromtrassen notwendig sind?

Es sind viele Emotionen im Spiel und selbstverständlich auch Ängste. Bedenklich ist es, wenn die Sorgen und Nöte der Menschen instrumentalisiert und bewusst falsche Informationen gestreut werden. Umso wichtiger ist es, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Wir müssen immer wieder erklären, was, warum notwendig ist. In der Regel sind die Bürger dafür dankbar, sehr verständig und einsichtig.

Niemand will eine Trasse vor der Nase haben. Was kann man tun, um die Leute dennoch zu überzeugen?

Reden, reden, reden und zuhören, Sorgen ernst nehmen und möglichst ausräumen. Zur Wahrheit gehört aber, dass wir auf den Stromtransport nicht verzichten können. Dazu hätte es ein Strommarktdesign gebraucht, mit dem Gaskraftwerke in Bayern in Dauerlast laufen können. Das war bei den gegebenen Mehrheitsverhältnissen nicht zu erreichen. Und allein mit dezentralen Anlagen lässt sich die Stromversorgung in Bayern nicht bewerkstelligen, obwohl das immer wieder behauptet wird. Das klappt nicht bis 2021.

Sie selbst wurden für Ihren Vorschlag, die SuedLink-Trasse so zu verschieben, dass Bayern weniger betroffen ist, sehr gescholten. Wie gehen Sie mit dieser Kritik um?

In dem Fall sehr entspannt: Ich lasse mir gerne vorwerfen, bayerische Interessen zu vertreten. Grundsätzlich nehme ich jede Kritik ernst und prüfe, ob sie berechtigt ist.

Geben Kommentare in den Medien – positive oder negative – Ihnen eigentlich zu denken, oder spielt das keine Rolle bei Ihren Entscheidungen?

Ich gebe zu, manche Kommentare treffen mich schon, vor allem wenn sie von wenig Fachkenntnis geprägt sind. Und über positive freue ich mich. Ich weiß aber, dass positive und negative Berichterstattung schnell wechseln – und nicht immer zu 100 Prozent erklärbar sind. In meinen Entscheidungen muss ich mich frei davon machen und an der Sache orientieren.

Entschärft der jüngste Beschluss beim Energiegipfel, die Kabel teilweise unter die Erde zu verlegen, die Situation? Oder wird es weiter Proteste geben? Überirdische Trassen bleiben ja trotzdem notwendig.

Wir haben eine Komplettkorrektur des Netzausbaus erreicht. Jetzt orientiert er sich an unseren Maßstäben: Es kommt nur, was nachweislich notwendig ist, und der Verlauf der Stromtrassen berücksichtigt die Belange von Mensch und Natur. Das heißt, es gilt der Vorrang von Erdverkabelung. Nur dort, wo es technisch gar nicht möglich ist, werden Bestandsleitungen genutzt. Das werde ich allen sagen, die weiter unzufrieden sind. Es gibt sie leider. Und ehrlich: Wir haben zwischen Wunsch und Wirklichkeit keine Wahl.

Die Deutschen sind Weltmeister im Mülltrennen und Stromsparen. Fällt die Umsetzung eines Riesenprojekts wie die Energiewende in diesem Land leichter als woanders auf der Welt?

Tatsächlich glaube ich, dass wir in Deutschland besonders gut mit neuen Herausforderungen umgehen. Zumal wenn neue Technologien und deren systemische Anforderungen gefragt sind. Da sind wir einfach spitze. Und in Deutschland haben wir ein hohes Bewusstsein für den Wert unserer Umwelt.

Es ist Konsens bei allen Parteien, dass die Atomkraftwerke abgeschaltet werden. Ist die Frage nach der richtigen Stromversorgung heute gar keine ideologische mehr wie in den vergangenen Jahrzehnten? Geht es nur noch um technische Details?

Den Atomausstieg stellt aus meiner Sicht niemand ernsthaft in Frage. Dennoch zeigen sich neue ideologische oder Ideologie-ähnliche Gräben. Sie verlaufen jetzt zwischen Windkraftgegnern und -anhängern, zwischen Trassengegner und -befürwortern, zwischen Pumpspeicherfreunden und -feinden. Das heizt ja die Diskussionen um die notwendigen Umstellungen so sehr an. Technische Fragen kreisen eher um die Realisierbarkeit. Immerhin bewegen wir uns bei vielen Fragen auf komplettem Neuland.

Sie sind selbst Elektrotechnikerin. Gibt es – jenseits aller Proteste und politischen Debatten – Ihrer Meinung nach eine beste Lösung für das Trassenproblem?

Ich bin überzeugt davon, dass wir mit dem jetzigen Ergebnis die bestmögliche Lösung gefunden haben: Noch vor wenigen Monaten hieß es sowohl bei der Frage weitgehender Erdverkabelung als auch bei der Nutzung von Bestandsleitungen: geht nicht. Jetzt werden wir sehen, was technisch eben doch alles möglich ist. Und ich bin überzeugt, auch bei Speichertechnologien werden uns technische Entwicklungen noch entscheidend voran bringen.

Wie viel Prozent Ihrer Arbeitszeit verbringen Sie mit den Stromtrassen?

Phasenweise sehr viel, aber das ist ja auch eine Frage, die viele Menschen und Generationen betrifft. Und mit Blick auf das vorzeigbare Ergebnis der Verhandlungen hat sich die investierte Zeit gelohnt.

— Die Fragen stellte Arno Makowsky.