Yellow Press zum Besuch der Queen : Der Queen-Besuch ist Großkampfzeit für Regenbogenpresse

Der Deutschlandbesuch der englischen Königin Elisabeth II. ist auch ein Medienereignis, vor allem für die Yellow Press. Unser Autor hat einen Blick hinter die Kulissen der "Neuen Post" geworfen.

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Die Queen und ihr Mann Prinz Philipp.
Die Queen und ihr Mann Prinz Philipp.Foto: dpa

Da ist sie schon, die Queen. Sitzt lebensgroß und prächtig auf einem Stuhl und hält eine Zeitschrift in der Hand. Die „Neue Post“. Offenbar liest sie darin. Natürlich ist das riesige Foto am Eingang zur Redaktion eine Montage. Aber auch eine Verheißung. Wer hier eintritt, der betritt eine ganz besondere Welt. Die Welt der Reichen, der Schönen, der Mächtigen. „Wir sind die Nr. 1 im Adel“, sagt Chefredakteur Roland Hag, ein jugendlicher 51-Jähriger im schwarzen Anzug und offenem Hemd.
In der Tat ist die „Neue Post“ aus dem Hamburger Bauer Verlag, die es schon seit 1948 gibt, mit einer zuletzt stabilen Auflage von knapp 620 000 Exemplaren Branchenführer der Yellow Press, die man früher Regenbogenpresse nannte, als der Regenbogen noch nicht der schwul-lesbischen Bewegung vorbehalten war. Jener Zeitschriften, die Woche für Woche Liebesleid und Liebesfreud von Prinzen und Prinzessinnen, Königen und Königinnen unter die Leute bringen, royale Schwangerschaften und Scheinschwangerschaften, das süße Leben der Stars und manchmal auch das saure. Keine geringe Macht stellen diese Blätter dar, das „Goldene Blatt“, „Das Neue Blatt“, „Die Aktuelle“, „Frau im Spiegel“ und wie sie noch alle heißen in diesem bunten, rätselhaften Kosmos. An die neun Millionen der „unterhaltenden Frauenzeitschriften“, wie das Marktsegment heißt, werden jede Woche in Deutschland verkauft, etwa ein Drittel davon im Abonnement, zwei Drittel an den Kiosken.

Zu Gast bei der "Neuen Post": Die Erzählung des Besuchs ist die Hauptsache

Dieser Tage ist Großkampfzeit für die Regenbogenpresse. Denn jetzt kommt die, die da am Eingang der „Neuen Post“ prangt, leibhaftig nach Deutschland. Wieder einmal. Am Dienstagabend trifft sie ein, die Queen, und wird drei Tage bleiben, Berlin, Frankfurt am Main, Bergen-Belsen. Was für ein Ereignis. Da muss besonders die Yellow Press ran, allen voran die „Neue Post“. „Wer, wenn nicht wir?“, sagt Roland Hag, der Chef.
Denn er und seine Kollegen wissen natürlich sehr genau, dass das Ereignis vor allem ein Medienereignis ist. Weil es den wenigsten vergönnt sein wird, am Straßenrand stehend und Fahnen schwenkend Majestät in Fleisch und blauem Blut zu erleben. Deshalb besteht dieses Event in allererster Linie aus Bildern von diesem Event und von den Berichten darüber. Nicht der Besuch ist die Hauptsache, sondern die Erzählung von diesem Besuch.

Der wirft schon jetzt lange Schatten. Selbstverständlich wird die „Neue Post“ am kommenden Mittwoch neben der aktuellen Ausgabe mit einem Sonderheft zur Stelle sein, 60 Seiten dick. „ROYAL“ wird in großen Buchstaben darüber stehen: „Die Queen. Ein unglaubliches Leben in Bildern und Geschichten“. Von der „verlorenen Kindheit“ wird da die Rede sein, von „Schicksalsjahren im Palast“, von „Prinzessin Trotzkopf“ und den „letzten Geheimnissen“. Tief in die Archive sind die Redakteure hinabgestiegen, haben in Dokumenten und Berichten der vergangenen Jahrzehnte gewühlt und alles Denkbare und Undenkbare ausgegraben aus diesen unvergleichlich langen Regentschaftsjahren.
Natürlich genügt das noch bei Weitem nicht. In der Woche nach dem Besuch wird dann alles endgültig zusammengetragen, was sich in den drei Tagen an Bedeutsamem begab, wie die Farben der Hüte waren und der Kleider und der Handtaschen und wem das königliche Lächeln und Winken galt und wem nicht. Zwei ständige Reporter haben sich an die Fersen Ihrer Majestät geheftet, der London-Korrespondent berichtet aus britischer Sicht, Agenturen und Fotografen schwärmen aus und aus dem Inneren des Buckinghampalasts steuert ein Informant undercover die exklusivsten Heimlichkeiten bei.

Den kompletten Artikel finden Sie in "Causa" vom 21. Juni 2015, einer neuen Publikation des Tagesspiegels. Sie können "Causa" auch als E-Paper lesen.

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