CDU Brandenburg : Schlangengrube für neuen Parteichef

Brandenburgs Union gilt als schlechteste Deutschlands. Nun versucht es ein Arzt. Der Lausitzer Michael Schierack will die zerstrittene Truppe einen - und wieder in die Regierung zu führen. Ein riskanter Neuanfang. Von Thorsten Metzner

Spitzentreffen. Michael Schierack ist der vierte CDU-Chef nach der Ära von Jörg Schönbohm. Foto: dapd
Spitzentreffen. Michael Schierack ist der vierte CDU-Chef nach der Ära von Jörg Schönbohm. Foto: dapdFoto: dapd

Oh, Brandenburgs CDU probiert etwas Neues: Der Arzt Michael Schierack, zum Parteichef gewählt, wagt die riskante Therapie. Denn diese „Union“ hat sich über zwei Jahrzehnte den Ruf erarbeitet, die schlechteste Deutschlands zu sein. Nur in den zehn Regierungsjahren sah es anders aus, als Jörg Schönbohm das Kommando führte. In den anderen zehn Jahren verbrauchte die Partei zehn Vorsitzende, trieb sie in die Flucht, oder zuletzt, stürzte sie notgedrungen: Zu sehr hatte die Radikalkonservative Saskia Ludwig die CDU bereits in die Isolation geführt und lange vor der Landtagswahl 2014 aus dem Rennen um eine Koalition gekickt, deren Farben im „roten“ Brandenburg immer noch vom Genossen Matthias Platzeck abhängen. Es folgten Nachbeben und Grabenkämpfe in der Landtagsfraktion. Nun hätte man glauben können, dass die CDU den neuen Chef Schierack – bürgerlich, katholisch, bodenständig – als Glücksfall betrachtet. Zumal er auf dem Parteitag nicht nur mit Führungswillen, Souveränität und Substanz überraschte, sondern auch mit gelassener Lockerheit und dem richtigen Ton: als einer, der das Zeug zum Spitzenkandidaten hat, der bei den Märkern ankommen könnte. Doch in den eigenen Reihen macht das wohl einigen Angst: Jeder dritte wählte Schierack nicht. Trotzdem, er hat sich und seine Mannschaft durchgesetzt. Brandenburgs Union ist, zur Zeit, wieder im Spiel.

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