Meinung : CDU – den Kindern zuliebe

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Unser Kolumnist Harald Martenstein, mehr von ihm hier.
Unser Kolumnist Harald Martenstein, mehr von ihm hier.Zeichnung: promo

Langsam fangen die Leute an, sich Gedanken über die nächsten Wahlen zu machen. Was könnte man wählen? SPD heißt: SPD-Politik. Mit Steuererhöhungen. Grüne heißt, SPD- Politik, aber mit starken Steuererhöhungen. CDU heißt, SPD-Politik, aber ohne Steuererhöhungen. Linkspartei heißt, SPD-Politik, aber wie anno 1950. FDP heißt, SPD-Politik, aber nur unter Protest. Piraten heißt, SPD-Politik, aber nach dem zweiten Joint. Da kann sich jetzt jeder etwas Passendes aussuchen.

Ein Freund berichtete, dass seine Tochter jetzt auf eine weiterführende Schule wechseln soll, ihre Noten sind recht gut. Aber die Sekundarschule, die zum Abi führt, hat einen extrem hohen Numerus clausus. Eins Komma neun! Alle Eltern wollen ihre Kinder da hinschicken. Warum? Weil es dort kein Turboabitur gibt, sondern 13 Jahre bis zum Abitur. Die Verkürzung der Schulzeit war wieder einmal eine echte Schnapsidee. 17-jährige Abiturienten, keiner will das. Im Gymnasium, mit Turbo, sei der Numerus clausus deshalb viel niedriger. Die etwas schwächeren Schüler landen folglich heutzutage auf dem Gymnasium. Dort müssen dann ausgerechnet die schwächeren Schüler umso schneller lernen.

Ich sagte, gottlob ist mein Sohn schon durch und studiert. Die schwächsten Schüler, erzählte der Freund, gingen auf die Sekundarschulen, die nicht zum Abi führen. Im Grunde gebe es in Berlin nach wie vor ein dreigliedriges Schulsystem. Die „Sekundarschule mit gymnasialer Oberstufe“ ist im Grunde das neue Gymnasium. Das ehemalige Gymnasium ist jetzt die neue Realschule. Und die Sekundarschule ohne gymnasiale Oberstufe ist die neue Hauptschule. Alles wie früher, nur die Namen sind komplizierter. Und dem Gymnasium haben sie ein Downgrading verpasst, zur Strafe, weil es bei den Eltern beliebt war. Eltern, Lehrer, Kinder – die drei Feindbilder der Bildungspolitiker.

Was macht ihr, fragte ich. Tja, sagte der Freund, wir suchen eine Privatschule. Geht nicht anders. Turboschule wollen wir nicht.

Das kostet doch, sagte ich. Es wird eng, sagte der Freund. Er verdient, aber hat viele Kinder, folglich muss er viel Miete zahlen. Jetzt habe er ausgerechnet, wie sich die Abschaffung des Ehegatten-Splittings und die angekündigten Steuererhöhungen auf seine Frau und ihn auswirken. Wenn Rot-Grün die Wahlen gewinnt, sagte er, müssen wir unsere Kinder aus finanziellen Gründen auf die verdammte Turboschule schicken. Wir wählen CDU. Er ist links, aber er liebt seine Kinder. Ich sagte, CDU ist SPD ohne Steuererhöhungen, Marx würde das okay finden. Jeder nach seinen Bedürfnissen. Und wenn die Kinder groß sind, kannst du eh wieder wählen, was du willst.

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