Meinung : CDU-Spendenaffäre: Und plötzlich erinnert sich einer

apz

Die Mitglieder des Parteispenden-Untersuchungsausschusses dürften sich in der Vergangenheit oft vorgekommen sein wie die Betrachter jener drei Affen, von denen sich einer den Mund, der zweite die Augen und der dritte die Ohren zuhält - sie haben angeblich nichts gesagt, nichts gesehen, nichts gehört. So reagierten auch viele Zeugen. Die Parlamentarier haben sich dennoch nicht vom Frust überwältigen lassen und zäh immer weiter gebohrt, mit erstaunlichen Ergebnissen. Gestern nutzten sie erstmals die Chance, den wieder einmal alle DDR-Kontakte in Sachen Siemens bestreitenden Walther Leisler Kiep mit einer Gegenaussage zu konfrontieren. Der ehemalige DDR-Unterhändler Jürgen Nitz berichtete über eine Unterredung aus dem Jahre 1988, die Kieps Angaben in Frage stellt. Und siehe da: Auf einmal erinnert sich der Zeuge Kiep. Mehr noch: Plötzlich zeigt sich auch ein Motiv für die vom CDU-Bevollmächtigten Jürgen Lüthje immer behaupteten und von Kiep genauso energisch dementierten Siemensspenden an die CDU. Die Modernisierung der maroden ostdeutschen Post und der Aufbau eines modernen Telefonnetzes in der DDR wären ein Milliardenauftrag gewesen. Um da ins Geschäft zu kommen, hätte sich eine Millionenspende allemal gelohnt. Ob es so gewesen ist, lässt sich nicht beweisen. Noch nicht. Denn vielleicht fällt Walther Leisler Kiep ja noch mehr ein.

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