CDU und CSU : Lagerwahlkampf

Die FDP nötigt der CDU einen Lagerwahlkampf auf, der Merkel in die alten Muster des Wahlkampfs 2005 zu drängen droht. Auch die CSU will Differenz demonstrieren.

Zu den Dingen, die sich eine Kanzlerin auch nicht so richtig aussuchen kann, gehört ihr eigener Wahlkampf. Angela Merkel mag sich ja so ungefähr eine Vorstellung davon machen, wie sie als realistische Landesmutter versuchen will, dass wenigstens ein bisschen von ihrem demoskopischen Ansehen auf ihre Partei abfärbt. Die Frage ist aber, ob die anderen sie lassen. Die anderen sind in diesem Falle nicht Linke, Grüne, Sozialdemokraten und andere Oppositionelle, sondern das eigene Lager. Horst Seehofers CSU zieht schon in die Europawahl mit einem Programm, dessen einzig bemerkenswerte Forderung – die Frage der Volksbefragung – sich auf die Botschaft verdichten lässt: „Wir geben Merkels CDU Contra.“ Man darf gespannt sein, welchen Punkt im gemeinsamen Bundestagswahlprogramm Seehofer so interpretieren wird, dass auch dort die Differenz dominiert. Der Wunschkoalitionspartner FDP nötigt der CDU einen Lagerwahlkampf auf, der Merkel in die alten Muster des Wahlkampfs 2005 zu drängen droht. Und das bisher einzig erkennbare inhaltliche Element des CDU-Wahlkampfs, die Steuerreform, ist in der Partei derart umstritten, dass nur ein fauler Burgfrieden möglich scheint. „Auf die Kanzlerin kommt es an“ ist an sich ein guter Wahlkampfspruch – es sei denn, alle fragen sich dabei: „Warum?“ bib


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