Cebit-Eröffnung : Revolution mit Doppelkernen

Für viele scheint ein iPhone 4 das höchste Glück zu bedeuten. Möglicherweise folgt dem Ruf nach weniger Fleischverzehr die Forderung, sich nur jedes zweites Jahr ein neues Smartphone zuzulegen. Dabei kann Technik auch ein Segen sein.

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Präsident Barack Obama hatte unlängst die Chefs von Google, Apple und Facebook zum Gespräch gebeten, um sich mit Eric Schmidt, Steve Jobs und Mark Zuckerberg darüber zu unterhalten, wie sich mit Cloud Computing, Tablet PCs und Social Networks der wirtschaftliche Aufschwung festigen lässt. Bei der Verleihung der diesjährigen Academy Awards gehörte der Film „Social Network“ zu den heißesten Anwärtern auf einen Oscar.

Die Cebit, einst unangefochtene Leitmesse der IT-Industrie, die zuletzt unter massivem Aussteller- und Besucherschwund litt, kann in diesem Jahr erstmals wieder ein Plus bei den ausstellenden Firmen vermelden. Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel zusammen mit Recep Tayyip Erdogan, dem Ministerpräsidenten von Cebit-Partnerland Türkei, am Montagabend die Leistungsschau eröffnet, werden dort 4200 Firmen ihre Neuerungen vorstellen. Möglich wurde dies nicht nur, weil sich die Hannoveraner nun wieder mehr dem privaten Publikum geöffnet haben und sich mit populären E-Sport-Veranstaltungen unterhaltsamer geben, sondern weil die Technik dem Menschen nie so nah war wie jetzt. In Deutschland gibt es mehr Mobiltelefone als Festnetzanschlüsse, mit den neuen Tablet-PC erobert der Computer endgültig das Wohnzimmer und aus dem Auto ist ein motorisiertes Rechenzentrum geworden.

Die Technik bestimmt den Alltag der Menschen in immer stärkerem Maße, nicht nur beruflich, auch in der Freizeit. Für viele scheint der Besitz eines iPhone 4 das höchste Glück auf Erden zu bedeuten, um sich als Konsum-Autist in der U-Bahn vor seiner Umwelt abzukapseln. Überhaupt gehört eine gewisse Fähigkeit zur Verdrängung dazu, sich über die neuesten Apps zu freuen, wenn zugleich über Selbstmorde und vergiftete Arbeiter in chinesischen Smartphone-Fabriken berichtet wird. Oder davon, dass die Mobilfunkindustrie nicht ohne Seltene Erden wie das Erz Coltan auskommt, das in Afrika unter ähnlichen Bedingungen geschürft wird wie Blutdiamanten. Möglicherweise folgt dem Ruf nach weniger Fleischverzehr bald die Forderung, sich nur jedes zweites Jahr ein neues Smartphone zuzulegen. Dabei geht es nicht um Totalverzicht, die Technik kann auch ein Segen sein. Die Revolutionsblogger und Facebookaktivisten sind treibende Kräfte des arabischen Aufstands. Wer sollte da etwas gegen Google-Handys mit Doppelkernprozessoren haben?

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