Charité : Ganz Berlin ist eine Hülle

Die Berliner Charité ist ein Gesamtkunstwerk, das seit der Gründung 1710 groß und komplex geworden ist, ohne jemals vollendet zu werden. Der Weg scheint das Ziel zu sein. Bei dieser abenteuerlichen Wanderung durch die Zeiten hat Europas größtes Universitätsklinikum Phasen der Prosperität, aber auch des Elends hinter sich. Meistens ist das eine Frage des Geldes, denn sowohl die Pflege der Kranken als auch die Erforschung des Krankseins ist eine teure Sache. Und seit Jahren droht der Charité, dass ihre Hülle zusammenfällt. Bauliche Substanz und Technik sind altersschwach und es rächt sich nun bitter, dass der eigentlich unaufschiebbare Investitionsbedarf schon vor dem Mauerfall, aber erst recht danach weitgehend ignoriert wurde. Berlins Politik scheint besonders gern im Investitionsstau zu stehen. Nicht nur Kliniken, auch Straßen, Schulen, Schwimmbäder und andere öffentliche Bauten leiden darunter. Ganz zu schweigen von neuen Projekten, die nicht fertig werden wollen, aber immer teurer werden. Im Ergebnis stehen Sanierungs- und Modernisierungsbedarfe in Milliardenhöhe wie ein großer Berg vor dem Finanzsenator. Nicht nur die Charité, das gesamte Berlin lebt längst von seiner Substanz. za

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