Charité und Delbrück-Centrum : Die Ehe mit dem Bund

Mit der Charité und dem Max-Delbrück-Centrum fusionieren zwei angesehene Forschungseinrichtungen. Es stimmt: Big is beautiful! Aber Annette Schavans Förderpolitik darf nicht zur Entmachtung der Universitäten führen.

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Nun ist es passiert: Die schon länger erwartete wohlhabende Tante vom Bund war da und hat den armen Verwandten in Berlin ein paar große Scheine zugesteckt. Berlin gründet damit ein Institut: Aus einer Teilfusion der Charité mit dem außeruniversitären Max-Delbrück-Centrum entsteht das „Berliner Institut für Gesundheitsforschung (BIG)“.

Und in der Tat: BIG is beautiful! Es ist anzunehmen, dass die Forschung damit einen großen Schub erfährt, zum Wohle der Patienten. Der Glanz der Wissenschaftsstadt Berlin wird noch heller erstrahlen. Und auch an Berlins Unis hat Bundesforschungsministerin Annette Schavan gedacht und das Land dafür finanziell in die Pflicht genommen – wenn leider auch nicht so stark wie von den Unis erhofft.

Der Bund kommt – und vieles wird gut. Nach diesem Muster will Schavan noch weitere universitäre Institute beglücken. Bestimmt wird sich jedes klamme Land freuen, wenn es zu den Auserwählten gehört. Andere Länder kann der Bund durch Geschenke auf anderen Gebieten beruhigen.

Aber es gibt auch ein Risiko, nämlich das der „Helmholtzifizierung“, die auch eine „Bundesfizierung“ ist. Schavan kann attraktive universitäre Institute wie die Charité – also die medizinische Fakultät der Freien Universität und der Humboldt-Universität – nur dauerhaft finanzieren, wenn sie den Umweg über die Ehe mit einem Helmholtz-Institut wählt. Eine dauerhafte Finanzierung von Uni-Instituten durch den Bund verbietet die Verfassung. Die Helmholtz-Gemeinschaft aber ist zu 90 Prozent bundesfinanziert, ein gut zu bedienendes Instrument der Bundesregierung. Bei der Max-Planck-Gesellschaft und der Leibniz-Gemeinschaft tragen hingegen die Länder einen weit größeren Anteil.

Sind die Helmholtz-Institute aber immer die natürlichen Partner für Unis? Bei den sechs großen Zentren für Gesundheitsforschung hatten Uni-Mediziner oft den Eindruck, sie hätten zwar die größere Expertise, doch Helmholtz das Geld und das Sagen. Sogar der Eindruck ist entstanden, das Bundesforschungsministerium nehme starken Einfluss auf die Inhalte der Forschung – so wie es das vom Umgang mit Helmholtz gewohnt ist. Uni-Mediziner sahen sogar die Forschungsfreiheit verletzt.

Selbst wenn hier beleidigte Götter in Weiß übertreiben: Natürlich wird eine stark vom Bund finanzierte Forschung auch von den Bundesbeamten beeinflusst. Schon heißt es hinter den Kulissen: „Die an der Charité werden sich noch wundern. Wer zahlt, schafft an.“

Man kann dem Bund nicht vorwerfen, dass er seine schmalen Spielräume nutzt, so gut es geht. Doch wenn es ums BIG geht, muss Schavan alles daransetzen, die Unis und die Uni-Mediziner in die „Pole position“ zu bringen. Sagt sie nicht selbst ständig, die Unis seien „das Herzstück der Wissenschaft“? Am BIG kann Schavan zeigen, dass sie es ernst meint.

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