Checkpoint Charlie : Verschwendetes Historisches Kapital

Die CDU will kein Museum des Kalten Krieges am Checkpoint Charlie. Doch bislang verschleudert Berlin an diesem Ort historisches Kapital.

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Geschichtsträchtiger Rummel- und Tummelplatz. Am Checkpoint Charlie trifft Gedenken auf Ramsch. Foto: Thilo Rückeis
Geschichtsträchtiger Rummel- und Tummelplatz. Am Checkpoint Charlie trifft Gedenken auf Ramsch.Foto: Thilo Rückeis

Da braut sich ein kalter Krieg zusammen, ausgerechnet an dem Ort, an dem der Kalte Krieg am heißesten war, am Checkpoint Charlie an der Friedrichstraße. Eine Mauer steht schon, als Kunstinstallation, mit der die Teilung in Arm und Reich angeprangert wird. Nun gibt es auch eine Mauer zwischen den Partnern der Berliner Regierungskoalition, zwischen SPD und CDU. Und die Mauer ist höher, als es zunächst den Anschein hat. Es ist vor allem eine grundsätzliche Trennlinie, doch unversehens geht es um eine Neuvermessung der Gedenkstättenlandschaft. Und ideologische Abrüstung ist nicht in Sicht.

Die Berliner Union lehnt ein Museum des Kalten Kriegs an der Friedrichstraße ab, dort wo sich einst sowjetische und amerikanische Panzer gegenüberstanden. Für die CDU reicht das privat betriebene „Haus am Checkpoint Charlie“ aus. Die Christdemokraten möchten deutlich machen, dass nicht die USA verantwortlich waren für die Eskalation, sondern die Sowjetunion. Dem Kalten Krieg könnte man sich deshalb besser auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof widmen, wo mit dem Segen der Bundesregierung ein Alliierten-Museum entstehen soll.

Die SPD hingegen will endlich mit dem seit 20 Jahren diskutierte Museum des Kalten Kriegs das Berliner Gedenkstättenkonzeption komplettieren. Welches Gewicht Berlins Geschichte für Besucher aus aller Welt hat, zeigt sich jeden Tag, an dem an der Friedrichstraße tausende Touristen zwischen falscher Kontrollbaracke, Uniform-Klamauk, bescheidenen Info-Tafeln und einem sogenannten Freedom-Park mit illegal errichteten Würstchenbuden umherirren. Das „Haus am Checkpoint Charlie“ hat dagegen den Charme einer historischen Rumpelkiste, die museumspädagogisch durchaus verbesserungswürdig wäre. Ein Museum des Kalten Kriegs kann es nicht ersetzen.

Es ist ein Armutszeugnis, auch 23 Jahre nach dem Mauerfall am Checkpoint Charlie nicht über die Qualität einer touristischen Rummelbude hinausgekommen zu sein. Die vom Land behelfsmäßig aufgestellte „Blackbox“ ist nicht einmal eröffnet; ungewiss ist auch, wie lange sie dort steht, bevor das Grundstück bebaut wird, welches einmal das Museum beherbergen soll. Nach dem Mauerfall war verständlich, dass die Schandmauer schnellstens aus dem Stadtbild verschwinden sollte; vergeben wurde dadurch aber die Chance, sich rechtzeitig ein Geschichtsareal am Checkpoint Charlie zu sichern.

Vorbei. Um so wichtiger ist es, jetzt endlich alles zu tun, um das Machbare zu realisieren. Selbst wenn nachvollziehbar ist, dass die CDU die befreundeten USA nicht auf gleicher Ebene sehen möchte wie die Sowjetunion, verständlich machen kann man kaum jemandem, dass der Kalte Krieg nicht am Originalort stattfindet. Der Rücksturz in die Vergangenheit bringt Berlin jedenfalls nicht weiter. Die Stadt verschleudert vielmehr ihr historisches Kapital, wenn die CDU die Diskussion nun noch einmal ganz von vorne beginnen möchte.

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