China in der Krise : Böse Ahnung

Chinas Regierung rechnet offenbar mit dem Schlimmsten. Es kann, muss aber kein Zufall sein, dass Peking zu Beginn des neuen Jahres einerseits bekannt gibt, dass die Finanzkrise bereits 20 Millionen Wanderarbeitern den Job gekostet hat, und andererseits die Volksbefreiungsarmee auffordert, den Befehlen der Kommunistischen Partei unter allen Umständen zu folgen. Das weckt böse Ahnungen: Ist die Angst vor sozialen Unruhen so groß, dass Peking sich bereits auf den Einsatz des Militärs vorbereitet? Sicher ist: Die Krise trifft China stark und setzt die Regierung unter gewaltigen Druck. Der Export, ein Hauptmotor der Konjunktur, ist eingebrochen. Nach fünf Jahren zweistelliger Wachstumsraten stieg das Bruttoinlandsprodukt 2008 nur noch um neun Prozent. 2009 will die Regierung acht Prozent schaffen, einige Ökonomen halten fünf Prozent für realistischer. Das mag zwar immer noch unbedrohlich klingen, doch die Wachstumszahlen von Industriestaaten und Schwellenländern lassen sich nicht direkt vergleichen. Im Westen beobachten viele Chinas Probleme mit Genugtuung. Häme oder gar Triumphgefühle sind allerdings fehl am Platz. Die Herausforderung, der sich der Westen durch Chinas wirtschaftlichen Erfolg ausgesetzt sah, wird nicht kleiner, sondern eher größer. bba

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