China und Tibet : Kein himmlischer Frieden

Chinas Premierminister Wen Jiabao behauptet, "die Dalai-Lama-Clique“ habe die Ausschreitungen in Tibet geplant und initiiert. Der Dalai Lama reagiert auf seine Weise, und die internationale Staatengemeinschaft ist gefordert.

Benedikt Voigt

Es ist nicht so sehr die Angst vor einer Eskalation, die den Dalai Lama veranlasst hat, seinen Rücktritt anzubieten, falls die gewalttätigen Demonstrationen in Tibet weitergehen. Zu viele chinesische Soldaten, Gewehre und gepanzerte Fahrzeuge sind seit dem Beginn der Ausschreitungen in Tibet und den benachbarten chinesischen Provinzen stationiert. Weitere Proteste wären selbstmörderisch. Die chinesischen Machthaber haben wohl zum dritten Mal nach 1959 und 1989 einen tibetischen Aufstand gewaltsam unterdrückt. Das Rücktrittsangebot ist vielmehr die Art eines Friedensnobelpreisträgers, auf Wen Jiabaos unbewiesene Vorwürfe zu reagieren. Chinas Premierminister behauptet, „die Dalai-Lama-Clique“ stecke hinter den Gewaltausbrüchen, sie habe die Ausschreitungen in Tibet geplant und initiiert. Dabei ignoriert Wen Jiabao die offenkundige Tatsache, dass Jahrzehnte der Benachteiligung und Unterdrückung ein verzweifeltes Volk hervorgebracht haben. Ob dieser Konflikt weiter eskaliert, wird jetzt nicht mehr von Tibet selbst entschieden – sondern davon, wie die internationale Staatengemeinschaft damit umgeht. ben

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben