Chinesischer Vize-Premier : "Wir sind langfristige Investoren"

Chinesische Spitzenpolitiker sind in Europa derzeit gern gesehene Gäste. Dazu zählt auch der chinesische Vize-Premier Li Kequiang. Ein Porträt.

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Seitdem die Währungskrise zahlreiche Eurostaaten erschüttert, schwärmen Chinas Funktionäre aus, um gebeutelten Ländern der EU finanzielle Unterstützung zuzusichern. Ob Staats- und Parteichef Hu Jintao beim Besuch in Portugal oder Regierungschef Wen Jiabao in Griechenland – Chinas Mächtige stützen EU-Länder mit dem verstärkten Kauf von Staatsanleihen.

Am Dienstag durfte sich auch Chinas Vizepremier Li Keqiang in Spanien als Retter in Not präsentieren. „China ist ein verantwortlicher, langfristiger Investor, sowohl am europäischen als auch am spanischen Finanzmarkt“, schrieb Li in einem Gastbeitrag für „El País“.

Das Motto gilt auch für seine dreitägige Deutschlandvisite, zu der Li heute in Berlin eintrifft. Die deutsche Regierung misst diesem Besuch offenbar einige Bedeutung bei. So trifft der studierte Ökonom Li unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel, Außenminister Guido Westerwelle und Wirtschaftsminister Rainer Brüderle. Die deutsche Politprominenz kann sich auf einen eloquenten und offenen Gesprächspartner freuen. Diese Offenheit dürfte Li im Führungszirkel der Kommunistischen Partei Chinas aber auch einigen Ärger eingebracht haben. Laut US-Diplomatenberichten, die über Wikileaks veröffentlicht wurden, soll Li die Wirtschaftsstatistiken Chinas 2007 im Gespräch mit dem damaligen US-Botschafter als manipuliert bezeichnet haben.

Dennoch gilt Li als treuer Parteisoldat. Mit damals 43 Jahren jüngster Gouverneur einer chinesischen Provinz, schon seit 1997 Mitglied im Zentralkomitee der KP, wurde Li 2007 in den Ständigen Ausschuss des mächtigen Politbüros berufen. Und Präsident Hu förderte Li Keqiang stets, weshalb Beobachter lange Zeit damit gerechnet hatten, dass Li dessen Nachfolge antreten würde. Doch nachdem Konkurrent Xi Jinping zum stellvertretenden Chef der Streitkräfte befördert wurde, wird dieser vermutlich 2012 Hu Jintao an der Parteispitze und ein Jahr später an der Staatsspitze ablösen.

Li Keqiang ist bisher für Finanz- und Wirtschaftsfragen zuständig, soll Bürokratie und Korruption bekämpfen, um eine effiziente politische Verwaltung für die chinesische Wirtschaft aufzubauen. Wirtschaftsreformen gelten ohnehin als Lieblingsthema des ehrgeizigen Politikers, der sich stets um ausländische Investoren bemüht – von denen gibt es in Deutschland einige.

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