CHINESISCHES SCHWEIN : "Ich bin fett, ich bin stark"

Porträt des chinesischen Schweins Zhu Jianqiang, das nach dem verheerende Erdbeben im Mai knapp überlebt hat und dadurch berühmt wurde. Inzwischen lassen sich auch Manger von dem Schwein inspirieren.

Bernhard Bartsch

Eine Gruppe chinesischer Manager stieg kürzlich vor dem Jianchuan-Museum in Chengdu, der Provinzhauptstadt von Sichuan, aus ihren Limousinen. "Ich bin fett, ich bin stark", stand auf ihren T-Shirts. Auf einem roten Banner war zu lesen: "Lernen von Zhu Jianqiang". Die Manager waren angereist, um Chinas derzeit populärsten Motivationscoach zu besuchen, ein graues Hausschwein namens Zhu Jianqiang (wörtlich: saustark). Einer nach dem anderen stiegen die Manager in den Pferch, um sich mit dem trägen Borstenvieh fotografieren zu lassen.

Seinen Ruhm - und damit auch die Rettung vor dem Schlachter - verdankt Zhu Jianqiang dem verheerenden Erdbeben, dem im Mai in Südwestchina rund 70.000 Menschen zum Opfer fielen. Das Schwein überlebte in den Trümmern eines Hauses. 36 Tage nach der Katastrophe fanden Soldaten die bis auf die Knochen abgemagerte Sau, die statt 150 Kilogramm nur noch 50 wog. Die lokale Presse widmete dem Fund einen Artikel, durch den der Direktor des Jianchuan-Museums auf das Tier aufmerksam wurde. Er kaufte es dem Besitzer für astronomische 3008 Yuan (350 Euro) ab und ließ dem Schwein im Museum ein Gehege bauen. Er taufte es Zhu Jianqiang.

Der Werbegag traf in chinesischen Medien sofort einen Nerv. Pekings Propagandaapparat hatte unmittelbar nach dem Beben begonnen, das kollektive Trauma in ein nationales Erweckungserlebnis umzumünzen. Krisenbewältigung wurde zur Volkstugend stilisiert, und das widerstandsfähige Trümmerschwein diente dafür als Maskottchen. Inzwischen finden sich im chinesischen Internet mehr als acht Millionen Einträge dazu. Der prominente Ökonom Shi Hanbing war der Erste, der in einem Artikel mit dem Titel "Was Unternehmen von einem Schwein lernen können" die Trümmersau zum Lehrmeister machte. Man solle friedlich sein wie ein Schwein und keinem anderen Schaden zufügen, war eine seiner Lektionen.

Ende Oktober rief beim chinesischen Unternehmertag auch einer der reichsten Männer Chinas, Liu Yonghao, seine Kollegen auf: "Wenn schon ein Schwein so hartnäckig sein kann, wie sehr dann erst wir Menschen. Alle Unternehmen sollten von Zhu Jianqiang lernen." Liu spannte das Schwein gleich in eine Werbekampagne seiner Hope- Group ein, die ausgerechnet Tierfutter herstellt. Dank seiner Produkte und vier täglicher Massagen wiegt Zhu Jianqiang inzwischen wieder mehr als hundert Kilo.

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