Chodorkowski-Prozess verschoben : Ein billiger Trick

Der Zettel an der Tür des Moskauer Gerichts enthält mehr als eine Botschaft: Der Beginn der Urteilsverkündung im Prozess gegen Michail Chodorkowski wird auf den 27. Dezember verschoben.

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Die Nachricht sagt aber auch einiges aus über den Umgang russischer Behörden mit einer kritischen Öffentlichkeit – als wäre es nicht möglich gewesen, die Verschiebung vorher anzukündigen. So aber reisten ausländische Beobachter vergeblich nach Moskau, Journalisten und Bürgerrechtler standen vor verschlossener Tür. Ein Affront, der wohl beabsichtigt war. Denn dieses Publikum ist unerwünscht in einem Prozess, der mehr und mehr zur Farce wird. Allein schon die Anklage ist so unlogisch, so absurd, dass eine Verurteilung eigentlich nicht möglich sein dürfte. Wie soll jemand mehr als 200 Millionen Tonnen Öl „unterschlagen“ haben, obwohl er auf die Einnahmen daraus Steuern zahlte? Dieser Prozess ist ein Testfall dafür, ob Russlands Präsident Medwedew seine Kampfansage an den „Rechtsnihilismus“ im Land ernst meint. Weil das Verfahren diese zentrale Bedeutung hat, wird auch ein billiger Trick wie die Verschiebung in die Weihnachtszeit die weltweite Aufmerksamkeit nicht mindern. cvs

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