Christoph Blocher : „Das freie Wort kann man uns nicht nehmen“

Milliardär, Justizminister: Christoph Blocher ist der bekannteste und umstrittenste Politiker Helvetiens.

Jan Dirk Herbermann

Die Anhänger des Schweizer Politstars jubelten. In Sprechchören feierten sie ihren rechtskonservativen Helden, schwenkten die rot-weiße Nationalfahne der Eidgenossen. „Das freie Wort kann man uns nicht nehmen“, rief Christoph Blocher. Vorher hatten rund 500 Linksautonome Teile der Berner Innenstadt verwüstet. Das Ziel der Chaoten: Sie wollten eine Kundgebung Blochers und seiner Schweizerischen Volkspartei (SVP) vor dem Parlament verhindern. Das schafften die Krawallmacher. Nur: Der Sieger der „Schlacht von Bern“ heißt Blocher. Denn der Justizminister konnte an anderer Stelle reden und präsentierte sich geschickt als Opfer des Mobs. Tatsächlich: Kurz vor den Parlamentswahlen am 21. Oktober reagierten die friedfertigen Schweizer gereizt auf die Randale in ihrer Hauptstadt.

An Triumphe und Anfeindungen hat sich Blocher (66) in seiner langen SVP-Karriere gewöhnt. Der Milliardär ist der bekannteste und umstrittenste Politiker Helvetiens. Obwohl er nie die SVP auf Bundesebene führte, kann er immer auf die Parteimaschine zurückgreifen. Der SVP-Chef Ueli Maurer dient ergeben dem großen Zampano Blocher. Der schafft es wie kein anderer Schweizer Politiker, die Massen zu mobilisieren und seine ultrakonservativen Ideen in griffige Parolen zu packen.

Blocher propagiert vor allem drei Ziele: Die Schweiz muss ewig neutral bleiben. Die Diskussion über einen EU-Beitritt treibt ihm die Zornesröte ins Gesicht. Lange ätzte Blocher sogar gegen den Einzug der Schweiz in die Uno. Zweitens steht Blocher für ein beinhartes Vorgehen gegen „Asylmissbrauch und Ausländerkriminalität“. Im Wahlkampf schärfte er den Schweizern seine rabiate Meinung ein: Ein SVP-Plakat zeigte weiße Schafe, die ein schwarzes Schaf aus der Schweiz herausbugsieren. Die schrille SVP-Propaganda rief den Uno-Sonderberichterstatter über Rassismus, Doudou Diène, auf den Plan. Das Plakat provoziere Rassen- und Religionshass, empörte er sich. Drittens will Blocher so wenig Staat wie möglich in der Wirtschaft und weniger Steuern. Blocher kokettiert in ökonomischen Diskussionen gerne mit seinen erfolgreichen Jahren als Chef der Firma Ems: Nur der freie Unternehmer könne ein erfolgreicher Unternehmer sein.

Bei den Wahlen in zwei Wochen wird Blocher viele Schweizer überzeugen. Meinungsforscher sagen voraus, dass die SVP wieder stärkste Partei wird. Jan Dirk Herbermann

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