• Christoph Markschies, Präsident der Humboldt-Uni: ''Die HU gehört zu den jüngsten Unis''

Christoph Markschies, Präsident der Humboldt-Uni : ''Die HU gehört zu den jüngsten Unis''

Anja Kühne

Der Präsident der Humboldt- Universität fährt gerne Rad. „Während die anderen Berliner Universitätspräsidenten aus ihren Limousinen steigen“, schreibt Christoph Markschies in der neuen Ausgabe der HU-Studierendenzeitung „Unaufgefordert“, schwinge er sich lieber „elegant“ von seinem neuen Fahrrad mit Innendynamo.

Eigentlich hätte Markschies heute mit Rückenwind zur Humboldt-Universität radeln sollen. Es wäre der Tag gewesen, die Gratulationen für den gerade gewonnen Elitewettbewerb entgegenzunehmen. Stattdessen muss der Theologieprofessor nun gegen einen steifen Herbstwind anstrampeln. Die Humboldtianer sind sauer. Am Dienstag, wenn ihr Konzil tagt, werden sie den Präsidenten fragen, warum die stolze – wie Markschies sie gerne nennt – Alma Mater Berolinensis allein mit der proletarischen Ruhr-Uni Bochum auf der Strecke geblieben ist.

Markschies hat das „Zukunftskonzept“, mit dem die Uni gescheitert ist, bestimmt nicht allein entworfen. Den seltsamen Brief auf der Homepage, über den jetzt Berlins „scientific community“ lästert, schon. Darin macht der Präsident für die HU eine neue Zeitrechnung auf: Die Uni, auf deren 200. Jubiläum im Jahr 2010 Markschies seit langem fieberhaft hinarbeitet, sei erst nach der Wende umgebaut worden, gehöre also mit 17 Jahren zu den jüngsten der Republik, erklärt er die Niederlage. Ganz so, als befinde sich die HU heute nicht unter den forschungsstärksten Unis in Deutschland, als sei nicht der vom Präsidenten verantwortete Antrag schuld an ihrem Scheitern im Elitewettbewerb, sondern die Spätfolgen der Wende.

Dabei hat Markschies seine Stärken in der Außendarstellung. Auf ungezählten Podiumsdiskussionen, im Radio und Fernsehen tritt er auf. Der Träger des renommierten Leibniz-Preises versteht es auch, ein breiteres Publikum in der Langen Nacht der Wissenschaften zu unterhalten oder Berliner Kaufleute mit einem Scherz über die Frauenbeauftragte zu amüsieren – im Stil des unbeholfenen aber sympathischen Geistmenschen, der ständig in Gefahr schwebt, das Rednerpult vom Podium zu kippen.

Im Innern sieht es bislang schlechter aus: die Krisen im Präsidium, Gerüchte über Wutausbrüche des Präsidenten, ein sehr dünner Rechenschaftsbericht für 2006, der dürftige Platz für die Humboldt-Uni im Humboldt-Forum – mit dem Elitetitel hätte Markschies seine Kritiker zum Schweigen bringen können. Anja Kühne

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