Claude Guéant : „Es waren viele Salven, ziemlich schwer“

Der französische Innenminister hat den Sturm auf die Wohnung des Attentäters in Toulouse quasi live kommentiert. Jetzt muss sich Claude Guéant unangenehme Fragen gefallen lassen. Ein Porträt.

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Eigentlich befindet sich der Amtssitz des französischen Innenministers an der Place Beauvau in Paris. Aber zu Beginn dieser Woche verließ Claude Guéant seine gewohnte Umgebung. Schon am Montag, nachdem der 23-jährige Mohamed Merah seine tödlichen Schüsse vor einer jüdischen Schule in Toulouse abgegeben hatte, war der Innenminister in die südfranzösische Stadt geeilt. Von dort gab Guéant zur besten Sendezeit am Mittwochabend ein Fernsehinterview, in dem ihm die Anstrengungen der zurückliegenden Tage anzusehen waren. Guéants Augen waren leicht gerötet, seine Antworten knapp. Ein ums andere Mal betonte er zu diesem Zeitpunkt, dass Merah lebend gefasst werden müsse.

Inzwischen ist Merah tot, und damit muss sich auch Innenminister Guéant unangenehme Fragen gefallen lassen. Wenig überraschend ist da noch die Forderung von Jérôme Guedj, der zum Wahlkampfteam des sozialistischen Präsidentschaftskandidaten François Hollande gehört. Er verlangt, dass der Innenminister nach dem Einsatz von Toulouse zurücktreten solle. Aufhorchen lässt aber umso mehr, dass Außenminister Alain Juppé Kritik an der Arbeit des Geheimdienstes in Toulouse äußerte. Denn wie Guéant gehört auch der Außenminister zur konservativen Regierungspartei UMP.

Die Sticheleien aus den eigenen Reihen haben ihren Grund, denn schließlich ist Innenminister Guéant einer der engsten Vertrauten von Präsident Nicolas Sarkozy und zählt damit zu den politischen Schwergewichten in Frankreich. Allerdings ist er auch in den eigenen Reihen nicht überall beliebt, weil er schließlich in Sarkozys Kabinett zu den Hardlinern gehört. Als im vergangenen Jahr mehrere Zehntausend Flüchtlinge aus Tunesien über die Insel Lampedusa den Weg auf das italienische Festland nach Italien fanden, verschreckte Guéant die französische Öffentlichkeit mit der Prognose, bald könne es auch in Frankreich zu einer „massiven“ Einreise illegaler Flüchtlinge kommen.

Am Donnerstag kommentierte Guéant nun fast in Echtzeit im Fernsehen das tödliche Feuergefecht in Merahs Wohnung: „Es waren viele Salven, ziemlich schwer.“ Sonst spielt er eher die Rolle der grauen Eminenz in Sarkozys Machtzirkel. Aber so wie die sieben Morde die gesamte französische Republik herausgefordert haben, musste Guéant mitten im Wahlkampf seine Handlungsfähigkeit unter Beweis stellen. Sein Chef Sarkozy wird es ihm danken. Albrecht Meier

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