Clements Bedauern : Alles für Steinmeier

Wolfgang Clement ist zurückgerudert. Nun ist die SPD gefragt, die Entschuldigung anzunehmen. Der Richtungsstreit innerhalb der Partei wird aber weitergehen.

Stephan-Andreas Casdorff

Wolfgang Clement vor dem in der Sonne glitzernden, ewig fließenden Rhein, ein schönes Bild. Eines, das ihm gelegen kommt, das er vielleicht sogar gesucht hat – denn alles ist im Fluss. Aber auch: Keiner badet im selben Flusse zum zweiten Mal. Darum also hat Clement in einem Ton und in einer Art, die sein Bemühen deutlich machte, alles gesagt, was er sagen konnte, damit die Wellen nicht noch höher schlagen in der SPD.

Gefühle wollte er nicht verletzen, niemanden im Stich lassen, wenn das der Eindruck gewesen sein sollte, dann täte es ihm leid – so indirekt, wie manche meinen, dass er zur Nichtwahl seiner Partei in Hessen aufgerufen habe, so indirekt entschuldigt er sich. Immerhin. Die Botschaft zählt: Er will eine Brücke bauen! Clement will halt doch Sozialdemokrat bleiben. Dazu passt der Satz von Gerhard Schröder: Weil ich weiß, wo ich herkomme, weiß ich, wo ich hingehöre.

Ja, Schröder. Nicht Kurt Beck, der Parteichef, sondern Schröder war’s. Er hat mit Clement gesprochen. Auch der andere große Eigensinnige der SPD, Otto Schily, früher von Grünen gelegentlich "Pitbull der Regierung“ genannt, hat sich immer nur von ihm zurückbeordern lassen. Und Schily ist jetzt Clements Rechtsbeistand.

Beck mochte vor kurzem nicht schon wieder mit dem uneinsichtigen Clement reden. Also übernahm Schröder. Er musste aber auch ran, soll sein "Machmal“ Frank-Walter Steinmeier Kanzlerkandidat werden. Es macht sich nämlich gar nicht gut, wenn vorher einer der Agendisten aus der Partei fliegt; dann ist Steinmeier, der Architekt der Agenda, chancenlos gegen die Linke. Ach, und eines nicht zu vergessen: In Bonn wohnt auch Franz Müntefering.

Der Richtungsstreit dagegen wird weitergehen. Mag Wolfgang Clement jetzt in der SPD bleiben – wozu der Partei nach dem Auftritt dringend zu raten ist –, die Debatte, ob Atomkraft nicht doch länger genutzt werden muss, wird damit noch befeuert. Und hier muss sich die Linke beweisen. Mit einer Flut der Argumente.

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