Copy & Paste : Das Kopieren als Religion

Das Kopieren und Teilen von Informationen ist das Credo der Generation "Internet", der "Kopimismus" seine geistige Ausprägung. Haben wir es mit einer neuen Religiosität zu tun?

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Das geheiligte WorlWideWeb
Das geheiligte WorlWideWebFoto: dpa

Über Religion lässt sich bekanntlich streiten. Nun denn: Internet unser im Worldwideweb, geheiligt werde dein CTRL-C und dein CTRL-V. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Netz, so in Schweden. Unsere tägliche Information gib uns heute. Und vergib uns unser Plagiat, wie auch wir vergeben unsern Usern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem eigenen Gedanken. Denn dein ist das Copy und das Paste und die Selbstherrlichkeit in Ewigkeit. So soll es geschehen.

Das mag jetzt gotteslästerlich daherkommen. Ist es aber nicht. Es ist das Credo der Kopimisten. Kopimisten sind Anhänger des Kopimismus, was keine Unterform des Islamismus, Hinduismus oder Buddhismus oder anderer Ismusse ist, sondern selbst- und eigenständig. Der Kopimismus ist eine Bewegung, die sich zum Kopieren und Teilen von Informationen bekennt Kopimisten beten das Kopieren und Teilen von Informationen geradezu an, ein deutscher Freiherr und Ex-Doktor kann als Pionier, als erster Jünger, als Petrus des Kopimismus angesehen werden. Aber nur in Schweden ist der Kopimismus anerkannt.

Und zwar, wie die Stockholmer Tageszeitung „Svenska Dagbladet“ berichtet, als Religionsgemeinschaft. Für die „Missionierende Kopimistengemeinde“ stellen Informationen einen Wert dar, der durch Kopieren steige. Die zuständige Finanzbehörde „Kammarkollegiet“, man muss das vielleicht noch mal wiederholen, sonst glaubt’s einem ja keiner, hat die „Missionierende Kopimistengemeinde“ tatsächlich als religiöse Gemeinschaft eingetragen.

Die Gemeinde hat auch einen „geistlichen Leiter“, den Philosophiestudenten Isak Gerson. Der nennt die Bewegung „eine missionierende Religion mit dem Ziel, sowohl Christen als auch Muslime von den Segnungen des Kopimismus zu überzeugen“. Im Übrigen zeigte er sich erleichtert, dass er seinen „Glauben nun ohne Furcht vor Repressalien ausüben“ könne. Das war offensichtlich früher in der Zeit der Kopimistenverfolgung nicht möglich. Als ihre „heiligen Zeichen“ verehren die Kopimisten CTRL-C und CTRL-V, die Tastaturbefehle für Kopieren und Einfügen.

Der „geistliche Leiter“ sagt weiter, dass die Kopimisten schon mehr als 3000 Anhänger in zehn Ländern haben und dass der Name Kopimisten sich von „copy me“ ableitet. Vor diesem Hintergrund muss die Geschichte eines deutschen Freiherrn und Ex-Doktors neu geschrieben werden. Er war einfach nur gläubiger und praktizierender Kopimist.

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