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Cory Booker : Obamas schillernder Freund aus New Jersey

Er ging in den Hungerstreik, er rettete Frauen und kleine Hunde, er schreibt Tweets an eine Stripperin: Cory Booker ist in der demokratischen Partei ein Star und frisch gewählter Senator in Washington. Manche sagen, er habe sogar das Zeug zum Präsidenten

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Zu Höherem berufen? Cory Booker ist 44 Jahre alt und zurzeit Bürgermeister von Newark in New Jersey.
Zu Höherem berufen? Cory Booker ist 44 Jahre alt und zurzeit Bürgermeister von Newark in New Jersey.Foto: AFP

Nach wenigen Minuten hat er sie alle. Ein Zwinkern hier, ein verschwörerisches Lächeln da: Wenn Cory Booker im Wahlkampf auf Menschen trifft, sucht er direkten Blickkontakt. Dazu serviert der Bürgermeister von Newark, New Jersey, markige Worte: Im amerikanischen Schulsystem herrsche die „Apartheid“, die Zustände im Kongress seien „unhaltbar“. Am gestrigen Mittwoch war Wahltag: Booker wurde zum Senator gewählt. Er siegte mit einem Vorsprung von 10 Prozentpunkten vor seinem vor seinem republikanischen Konkurrenten. Manche trauen ihm jetzt schon mehr zu: Die „Washington Post“ zählt ihn zu den potenziellen demokratischen Präsidentschaftskandidaten 2016.

Die Unterstützung des jetzigen Präsidenten hat er schon einmal. Barack Obama kann gute Freunde im Senat gebrauchen, in dem er nur eine knappe Mehrheit hält, und Booker gehört zu den Obama-Verbündeten der ersten Stunde. Im Senatoren-Wahlkampf in New Jersey standen Booker Präsidentenberater zur Seite und in dieser Woche verschickte Obama sogar eine Videobotschaft: „Wählen Sie einen Mann mit einem ungewöhnlichen Charakter. Wählen Sie Cory Booker.“

Oprah Winfrey und Mark Zuckerberg unterstützen Cory Booker

Das mit dem „ungewöhnlichen Charakter“ könnte man allerdings auch als präsidialen Seitenhieb auf Bookers zunehmende Starallüren lesen. Mit der Hilfe von Unterstützern wie Oprah Winfrey und Facebook-Gründer Mark Zuckerberg sammelte er 11,2 Millionen Dollar ein. Mehrfach erschien Booker nicht zu Bürgerveranstaltungen in New Jersey, sondern traf stattdessen Berichten zufolge prominente Unterstützer aus Hollywood und dem Silicon Valley. Seine politische Biografie liest sich fast wie das Drehbuch zu einer Satire: Einmal ging er zehn Tage lang in den Hungerstreik, um auf Missstände aufmerksam zu machen, ein anderes Mal lebte er von Essensmarken. 2012 rettete er eine Nachbarin aus ihrem brennenden Haus. Zuletzt machte der unverheiratete Hyper-Twitterer Schlagzeilen, weil er auf die Tweets einer Stripperin antwortete („Die Ostküste liebt dich und mit Ostküste meine ich mich“). Seine Sprecherin sagte, Booker suche eben Kontakt mit Menschen „in den unterschiedlichsten Lebenssituationen“.

Dass er Ambitionen auf die Präsidentschaft habe, dementierte Booker im August. Auch andere haben es sich nach solchen Dementis innerhalb kurzer Zeit noch einmal überlegt. Zum Beispiel Barack Obama. Allerdings konnte Cory Booker die hohen Erwartungen bei der Senatorenwahl nicht ganz erfüllen. Ein Vorsprung von 10 Prozentpunkten erscheint zwar viel, hätte in der Demokratenhochburg New Jersey und gegen einen schwachen Gegenkandidaten aber noch höher ausfallen können. Doch wahrscheinlich wird Booker es auch als Senator schaffen, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

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